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Friday December 19, 2014

20:46 Weekly translation favorites (Dec 12-18) »Adventures in Freelance Translation
Translation favoritesWeekly series of posts based on our favorite tweeted content over the past week. Topics: translation, interpreting, languages, freelancing and business.
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The editors at OxfordDictionaries.com don’t want to get left behind with all the advances in the English language and so they decided to add a thousand new words to their online dictionary. It’s worth noting that here we’re referring to the popular online dictionary of Oxford University, which is not related to the highly regarded […]
13:11 ÂżMás vale lo conocido que lo bueno por conocer? »Aventuras de una traductora-intĂ©rprete en Madrid
SĂ© que el dicho es «más vale malo conocido que bueno por conocer», si es que ya lo decĂ­a Kylie Minogue en sus años mozos: mucho mejor el diablo que conoces (la letra de esa canciĂłn es un tema aparte para generar debates de horas si uno se molesta en prestarle atenciĂłn).   Pero, seamos un […]
13:10 Calendario de actividades de APTIC para el primer semestre de 2015 »TablĂłn de Anuncios ASOCESP
13:10 Curso «IntroducciĂłn al sistema financiero para traductores» »TablĂłn de Anuncios ASOCESP
13:03 Mini-RĂĽckblick & Best of 2014 »Kennstdueinen.de Blog
Es ist fast schon Weihnachten. Es ist Zeit fĂĽr einen JahresrĂĽckblick. Das machen alle so. Schon immer.
08:58 Call for papers IAFL conference, Guangzhou, China »Translation & the law: From words to deeds
The International Association of Forensic Linguists (IAFL) and the Organizing Committee of IAFL12 invite submissions for the 12th biennial conference, …

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01:10 Irak ‒ der endlose Krieg: „Islamischer Staat“, irakischer Aufstand und das... »Joachim Guilliard
Teufelskreis religiös motivierter Gewalt

Es ist nur eine von Dutzenden solcher Berichte in Latifiyya und anderen Städten im „Bagdad-Gürtel“, die Evers hörte. In vielen Gegenden seien die meisten Männer entweder getötet oder geflohen. In der Diyala-Provinz überfiel, wie die UNO berichtete,  die schiitische „Liga der Gerechten“ im August mehrere Städte, zerstörte zahlreiche Häuser, brannte mehrere sunnitische Moscheen nieder, entführte über 200 Männer und ermordete mehr als 50. [2]

Auch Amnesty International dokumentiert in ihrem 28-seitigen Report Dutzende Fälle von Verschleppungen und Exekutionen durch schiitische Milizen in Bagdad, Samarra, Kirkuk und viele anderen Städten im ganzen Land.[3] Allein in Samarra wurden dem Report zufolge seit Anfang Juni 170 junge sunnitische Männer entführt. Dutzende von ihnen wurden später tot aufgefunden, vom Rest fehlt jede Spur. Zum Teil wurden sie wegen des Verdachts der Unterstützung oder heimlichen Sympathie für ISIL ermordet, teils willkürlich als Vergeltung für ISIL-Angriffe. Diese Milizen, „oft von der irakischen Regierung bewaffnet und unterstützt“, operieren, so AI mit „unterschiedlichem Grad der Kooperation mit Regierungskräften“.

Die Macht der schiitischen Milizen, die z.T. auch vom Iran militärisch unterstützt werden, wuchs ab Juni massiv, nachdem sich die regulären Streitkräfte sich als wenig schlagkräftig erwiesen hatten. Sie tragen Uniform, operieren aber völlig außerhalb des Gesetzes. Sie greifen zu den gleichen Mitteln ‒ Verschleppung, Ermordung und Vertreibungen ‒ die sie bereits 2005 bis 2008 massenhaft gegen die sunnitische Bevölkerung anwandten. Mit ihrer Förderung durch die Regierung wand sich, so AI, die Spirale konfessioneller Gewalt durch sunnitische und schiitische Extremisten auf ein Niveau, wie es seit den schlimmsten Tagen zwischen 2006 bis 2007 nicht mehr gesehen wurde. „Indem sie Milizen ihren Segen geben, die routinemäßig solche fürchterliche Gewaltakte begehen, unterstützt die Regierung Kriegsverbrechen und feuert einen gefährlichen Teufelskreis religiös motivierter Gewalt an, der das Land zerreißt,“ so Donatella Rovera, Krisenbeauftragte von Amnesty International in der Presseerklärung zum Bericht.[4]

Schiitische Milizen und Peschmergas ‒ Verbündete und Gegner

Mehrere, der berüchtigten schiitische Milizen, kämpfen auch gemeinsam mit kurdischen Peschmergas im Nordosten Iraks gegen ISIL. Dabei kommt es nicht nur, wie die UNO berichtet, häufig zu Racheangriffe auf Sunniten.  „Marodierende regierungsnahe Milizen nutzen den Kampf gegen den Islamischen Staat als Vorwand, um sunnitische Gemeinden quer durchs Land zu zerstören“ schreibt das renommierte US-Magazin Foreign Policy.[5] Sie hindern sunnitische Familien in ihre zeitweilig von ISIL besetzten Städte und Dörfer zurückzukehren. Häufig kommt es auch zu Brandschatzungen, z.T. werden ganze Dörfer niedergebrannt. Ein Video zeigt, wie schiitische Kämpfer einen Mann köpfen, der der Kollaboration mit ISIL beschuldigt wurde. [6]

Zu den stärksten dieser Milizen gehören die berüchtigten Badr-Brigaden, die seit 2005 Teil der Regierungskoalition sind und unter dem neuen Regierungschef erneut den Innenminister stellen. Sie machen sich keine Mühe ihr verbrecherisches Vorgehen zu verschleiern. „Die schiitischen Dschihadisten haben das Recht, das Leben und das Eigentum der sunnitischen Araber zu nehmen, die an der Seite ISILs kämpften,“ so der Kommandeur einer Badr-Einheit, die in der Nähe von Kirkuk operiert. Als Mitkämpfer gilt dabei jeder, der nicht vor ISIL floh. „Wir glauben, dass alle, die unter ISIL-Kommando lebten, ISIL-Mitglieder sind. Es gibt keine Unparteiischen unter der Autorität von ISIL.“ [7]

[Die Badr-Brigaden waren in den 80er Jahren im Iran als Miliz des Obersten Rat der Islamischen Revolution aufgebaut worden, kämpften im Iran-Irak-Krieg auf Seiten Irans und verübten zahlreiche Anschläge im Irak. Ab 2003 wurden sie zu einer der gefürchtetsten Milizen, die für Folter und Mord an Zigtausenden Sunniten und anderen Gegnern verantwortlich gemacht wird.

Als mit dem Amtsantritt der ersten Übergangsregierung im Mai 2005 die Zahl der Attentate, Entführungen und Exekutionen sprunghaft zunahm, machte der damalige Direktor des Menschenrechtsbüros der UNO im Irak hauptsächlich schiitische Milizen und Sicherheitskräfte verantwortlich, die unter Kontrolle des Innenministeriums standen. Geleitet wurde dieses von Badr-Chef Bayan al-Jabr sein Stellvertreter war Adnan al-Asadi, ein weiterer Badr-Kommandant,. Während al-Jabr aufgrund seiner offensichtlichen Verstrickungen in die Massenmorde der Todesschwadronen seinen Hut nehmen musste, behielt al-Asadi bis heute seinen Posten und damit die Kontrolle über die Milizen und Sonderkommandos. [8]

Auch heute noch unterhalten sie engste Beziehungen zum Iran. Bilder zeigen den Badr-Chef Hadi al-Amiri zusammen mit Kassim Soleimani, dem Kommandeur der iranischen Eliteeinheit al-Kuds im Kampfgebiet der Miliz gegen ISIL.[9] ]

Peschmergas und schiitische Milizen sind jedoch alles andere als enge Verbündete. Dort, wo der gemeinsame Feind vertrieben wurde, stehen sie sich sofort feindselig gegenüber. Die Gebiete, die sie von ISIL und sunnitischen Widerstandsgruppen säubern wollen, liegen in dem breiten, an das kurdische Autonomiegebiet angrenzenden Streifen Land, der von den herrschenden irakischen Kurdenparteien zusätzlich beansprucht wird und im Westen als „umstrittene Gebiete“ (disputed areas) bezeichnet werden. Beide Seiten sind daher bemüht, erobertes Terrain für sich zu sichern. [10]

Im Aufwind ‒ die Kurden

Hauptnutznießer der aktuellen Entwicklung im Irak sind die nach Unabhängigkeit strebenden Kurden des Landes, allen voran der Barzani-Clan und seine KDP. Insbesondere die offene, an der Zentralregierung vorbei durchgeführte militärische Aufrüstung ihrer Peschmerga-Verbände, die sie seit vielen Jahren vergeblich gefordert hatten, bedeutet einen weiteren großen Schritt voran in Richtung faktische staatliche Unabhängigkeit.

Auch das Zurückweichen der irakischen Armee vor ISIL und den aufständischen Gruppen kam den Kurdenparteien sehr gelegen. Die Peshmergas rückten sofort nach und besetzen nun weitere große Teile des bis zu 100 Kilometer breiten Streifens Landes, das sie jenseits der Grenze der Kurdischen Autonomen Region (KAR) beanspruchen. Vollständig unter kurdische Hoheit gerieten dabei auch die Hauptstadt der Nachbarprovinz, Kirkuk, und ihre Umgebung, in denen die zweitgrößte Erdöllagerstätte des Irak liegt.

„Umstrittenen Gebiete“

Ein großer Teil dieser „umstrittenen Gebiete“ steht bereits seit 2003 unter ihrer Kontrolle, als sie zusammen mit den US-amerikanischen Invasionstruppen einmarschierten. Irakische Armee und Peshmergas standen sich jahrelang schussbereit an der Demarkationslinie gegenüber, mehrfach mussten die Besatzer dazwischen gehen. Die kurdische Regionalregierung (KRG) hat dennoch auch schon für Ölfelder, die in diesen Gebieten liegen, Konzessionen an ausländische Ölkonzerne, darunter Total und die US-Multis Exxon-Mobile und Chevron, vergeben und damit die Spannungen mit der Zentralregierung extrem zugespitzt. ‒ Mit dem Abschluss der für Exxon, Chevron und Total außerordentlich vielversprechenden Geschäfte, schufen die Kurden jedoch in den beanspruchten Gebieten harte Fakten und konnten darauf hoffen, dass die Multis ihre erheblichen Investitionen zu schützen wissen.
[Exxon und Total verschoben ihr Engagement vom Süden in den Norden, da ihnen die Abkommen mit der Zentralregierung, die nur Service-Aufträge für ein bis zwei Dollar pro zusätzlich gefördertes Öl vergab, nicht attraktiv genug erschienen. Chevron hat sich erst gar nicht um solche Aufträge bemüht. Die KRG bietet hingegen sog. „Production Sharing Agreements“, die den Konzernen faktisch Anteile an den Ölvorräten verschaffen ‒ Abkommen, die für so leicht zu förderndes Öl völlig unüblich sind und auch von keinem Land der Region gewährt werden.
Auch deutsche Wirtschaftskreise fühlen sich davon angezogen und scheinen die unter kurdischer Kontrolle stehenden Energieressourcen denen im Süden vorzuziehen. Beim Kongress der CDU/CSU über »Außenpolitische Aspekte der deutschen Rohstoff- und Energiesicherheit« am 20. März 2013, am 10. Jahrestag des Irakkrieges, sprach in Anwesenheit Vorstandsmitglieder deutscher Energiekonzerne – auch Nechirvan Barzani, ein Neffe von Massud Barzani und Ministerpräsident der KAR, aber niemand aus Bagdad. (s. Jörg Kronauer, Tankstelle Kurdistan, Deutsche Wirtschaftskreise haben die nordirakischen Energieressourcen schon seit Jahren fest im Blick, junge Welt, 25.8.2014.) ]

Eigenmächtige Ölgeschäfte

Dennoch hatten sich die Bemühungen der Kurden um größere Unabhängigkeit festgefahren. Sie hatten in den letzten Jahren zwar die Ölförderung auf ihrem Territorium mittels eigenmächtiger Abkommen mit ausländischen Konzernen erheblich ausgebaut und im Mai auch eine eigene Pipeline in die Türkei in Betrieb genommen, konnten das Öl aber aufgrund des Widerstands der Zentralregierung nur schwer verkaufen. Washington, bemüht das offene Auseinanderbrechen des Iraks zu vermeiden, unterstützte bisher Bagdads Sicht, dass solche eigenmächtige Verkäufe illegal sind ‒ trotz des Drucks der involvieren Ölkonzerne und der türkischen Regierung.[11] Keiner der riesigen Öltanker, die im türkischen Ceyhan mit kurdischem Öl beladen wurden, konnte seine Ladung bisher legal löschen. Sie dümpelten seit Wochen im internationalen Gewässer, um der von Bagdad beantragten Beschlagnahmung zu entgehen.

Verlässlichster Partner des Westens

Mit dem Vorrücken von ISIS im Irak und dem Kollaps der Regierungstruppen avancierten die irakischen Kurden jedoch plötzlich zur einzigen verlässlichen Kraft. Dies machte nicht nur den Weg frei für direkte Waffenlieferung an Barzanis KDP und den Einsatz der US-Luftwaffe zur Unterstützung ihrer Peschmergas im Kampf um die „umstrittenen Gebiete“, sondern könnte auch die Tür für den Export kurdischen Öls zu öffnen. Ende August verwarf ein US-Gerichtshof das Urteil eines Distrikt-Gerichtes, den vor der texanischen Küste liegenden Tanker United Kalavryta  mit einer Million Rohöl im Wert von knapp 100 Millionen US-Dollar an Bord zu beschlagnahmen. US-Experten erwarten nun bald auch die Erlaubnis das Öl in einem texanischen Hafen zu entladen.[12] Die KRG hat seither ein weiteres Dutzend Tanker beladen und auf See geschickt, offensichtlich mit Grund zur Hoffnung, das kostspielige Unterfangen werde sich auszahlen.

[Mehrere Tanker mit kurdischem Öl wurden offenbar bereits heimlich entladen, nachdem sie ihr Identifizierungssystem ausgeschaltet hatten. Ein naheliegender Abnehmer ist Israel, einer der engsten Verbündeten der KRG. So tauchte ein Tanker, der nördlich des Sinai aus dem Blickfeld des Trackingsystem verschwand, zwei Tage später leer vor der israelischen Küste wieder auf. [13]]

Kämpfer von Barzanis Kurdisch-Demokratischer Partei hatten im Juni auch direkt schon die Förderanlagen des Kirkuk- und des Bai Hassan-Ölfeldes requiriert und die dort arbeitenden Angestellten der staatlichen Northern Oil Co vertrieben. Diese Ölfelder haben zusammen eine Förderleistung von rund 500.000 Barrels per Tag, ein Fünftel der gesamten irakischen Kapazität.[14]. Mitte Oktober begannen die Kurden daraus auch 200.000 Barrels täglich zu den Raffinerien zu pumpen, die unter ihrer Kontrolle stehen und damit Öl aus eigenen Ölfeldern für den Export frei zu machen. Sie haben ihren Ölexport im Sommer von 180.000 auf 240.000 bpd gesteigert und wollen ihn bis Ende des Jahres auf 400.000 bpd ausbauen. Wohin die illegale Exporte gehen, bleibt im Nebel. Ein Teil floss im Sommer offenbar nach Ungarn, aber auch Österreich und Deutschland scheinen Anteile erhalten zu haben.[15]

Massoud al-Barzani, KDP-Chef und Präsident der KAR, kündigte auch unmittelbar nach der Übernahme von Kirkuk ein baldiges Referendum über die Unabhängigkeit der von KDP und PUK kontrollierten Gebiete an. [16] Sukzessive werden die eroberten Gebiete in die politischen Strukturen der KAR eingebunden. 24.000 Peschmergas kontrollieren nun Kirkuk und das kurdische Regionalparlament eröffnete Mitte Oktober bereits eine Repräsentanz in der Stadt, um deren „kurdische Identität zu unterstreichen.“

Kirkuk ist jedoch keineswegs überwiegend kurdisch geprägt. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war sie mehrheitlich turkmenisch, 1977 stellten schon, nach dem der Bedarf an Ölarbeiter viele arabische Familien in den Norden gezogen hatte (evtl. auch gefördert durch die Regierung), Araber die größte Bevölkerungsgruppe. In der gesamten Provinz betrug ihr Anteil 1997 rund 70 Prozent.[17] Dies hat sich zwar infolge massiver Vertreibungsmaßnahmen von Seiten der Kurdenparteien seit 2003 zugunsten der Kurden verschoben, eine Mehrheit stellen sie jedoch sicherlich noch nicht.

Die neue irakische Verfassung sieht im Artikel 140 vor, dass der Status von Kirkuk per Referendum geklärt werden soll. Da dessen Durchführung die Gewalt zwischen den Bevölkerungsgruppen mit Sicherheit explodieren ließe, wurde es auf unbestimmte Zeit verschoben. Der Artikel 140 sei nun endlich umgesetzt, wenn auch durch besondere Umstände, erklärte nun Barzani im Juni auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem britischen Außenminister. Jegliche weitere Diskussion über diesen Artikel sei damit überflüssig. [18] Das sehen die übrigen Bevölkerungsgruppen und die anderen Parteien – unabhängig von Konfession und ideologischer Ausrichtung naturgemäß anders. Der Widerstand gegen die Annexion ist längst nicht überwunden und wird wieder aufleben sobald sich die Lage an den anderen Fronten geklärt hat. Der nichtkurdische Teil der Bevölkerung in Kirkuk wird die Herrschaft der Kurdenparteien nie akzeptieren.

Diese wiederum bemühen sich, den Widerstand gegen die Annexion im Keim zu ersticken. So wird offenbar vielen Arabern mittlerweile der Zugang zur Provinzhauptstadt verwehrt. Peschmerga stünden nun an den Checkpoints rund um Kirkuk und hätten die Aufgabe die Zivilisten von Militanten zu trennen, so die Rechtfertigung eines kurdischen Offiziers.[19]

Reporter des niederländischen Fernsehprogramms Nieuwsuur berichten, auch kurdische Peschmergas würden Gefangene exekutieren.  Der niederländisch-kurdische Kommandant der „Kurdischen Volksverteidigungskräfte“ Serdar Dosky teilte ihnen mit, als er die Kamera abgeschaltet glaubte, sie würden keine Gefangene machen. „Wir geben ihnen eine Kugel. Eine Kugel kostet 50 Cents. Wir geben ihnen eine zweite Kugel und sind sie los.” Peschmergas haben Nieuwsuur zufolge auch aus Rache für die Ermordung kurdischer Kämpfer das arabische Dorf Barzan, nördlich von Mosul, nahe der Grenze zur KAR, vollständig zerstört. [20] KRG-Vertreter bestreiten zwar die Vorwürfe, sie werden aber durch einen Bericht des US-Mediennetzwerks NPR gestützt.[21] Demnach hatten US-amerikanische Luftangriffe bereits einige Häuser dem Erdboden gleichgemacht. Die Peschmergas sprengten die, die noch standen, in die Luft, damit ihre Bewohner nie mehr wiederkommen. Die Araber seien alle ISIL-Sympathisanten, so kurdische Kämpfer gegenüber NPR. Sie hätten die Peschmergas, die die Gegend zuvor kontrollierten, als Besatzer beschimpft und die sunnitischen Kämpfer als Befreier begrüßt.

Krieg gegen den Wiederaufbau eines einigen, souveränen Irak

Amnesty International appelliert an den neuen Regierungschef, Haider al-Abadi, den Verbrechen der Regierungstruppen und verbündeter Milizen ein Ende zu machen und HRW fordert Washington auf, die schweren Vergehen der Regierung in Bagdad und ihrer Milizen nicht länger zu unterstützen. „Das ganze letzte Jahr über haben die USA ununterbrochen militärisches Material an Bagdad geliefert“, so HRW, trotz vieler dokumentierter „entsetzlicher Verbrechen durch Regierungskräfte“, wie „willkürliche Luftangriffe, die in sunnitischen Gebieten Tausende Zivilisten töteten, Folter und außergerichtliche Hinrichtungen“, sowie „ein Justizsystem, das viel häufiger willkürlich als gerecht erscheint.“ Die Eingliederung schiitischer Milizen in die Sicherheitskräfte habe ein Ausmaß erreicht, das sie nun faktisch ununterscheidbar mache. [22]

Regierungswechsel ‒ Chancen für eine politische Lösung?

Da es offensichtlich ist, dass die repressive, die Sunniten massiv benachteiligende Politik Malikis den Aufstand in den sunnitischen Provinzen provozierte und damit auch den Boden für das Vordringen von ISIL bereitete, hofft man nun im Westen, al-Abaidi werde die Interessen von Sunniten und anderer benachteiligter Bevölkerungsgruppen stärker berücksichtigen. Da den meisten Strategen in Washington bewusst ist, dass ISIL nur im Bündnis mit sunnitischen Kräften zu besiegen ist, ist der Druck auf die neue Regierung groß, zu einem Ausgleich mit „moderaten“ sunnitischen Führern zu kommen. Al-Abadi versprach auch bei seinem Amtsantritt, die Bombardierung sunnitischer Städte einzustellen und die Forderungen der sunnitischen Opposition zu prüfen.

Aus deren Reihen kamen ernsthafte Angebote, den Kampf gegen die Zentralregierung einzustellen und gegen ISIL zu kämpfen, wenn Bagdad zentrale Forderungen erfülle. Neben der Einstellung der Bombardierungen waren dies vor allem die Freilassung der Zigtausend politischen Gefangen, einen fairen Anteil an Jobs in Verwaltung und Staatsbetrieben, die Haupt-Erwerbsquellen im Land, und die Rückgabe sunnitischer Stiftungen und Moscheen sowie die Vertreibung schiitischer Milizen aus Bagdad und anderen sunnitischen oder gemischten Städten. <[23]

[Entscheidend für eine Einigung seien US-amerikanische und internationale Garantien für die Einhaltung von Absprachen. „Wir wollen eine echte politische Lösung, die die USA bei den Leuten durchsetzen soll, die sie in der Grünen Zone an die Macht brachten,“  so ein Sprecher der Rebellen gegenüber BBC. „Wenn sie uns diese Lösung garantieren, garantieren wir, dass wir ISIl loswerden.“

Sie verlangen eine nationale Versöhnungskonferenz unter internationaler Schirmherrschaft, zu der alle relevanten Kräfte eingeladen werden, mit Ausnahme von ISIL und den schiitischen Milizen, die sie als mindestens genauso übel betrachten. Die sunnitischen Politiker in Bagdad, die sich erneut auf eine Beteiligung an der Regierung einließen, lehnen sie als nicht repräsentativ ab. „Diese Leute sind seit 2003 in den politischen Prozess involviert und erreichten nichts.“[24]]

USA und Iran einig gegen Wiedererstarken Iraks

Faktisch ist Al-Abadi bisher jedoch keinen Schritt auf die Aufständischen zugegangen. Sowohl die Luftwaffe als auch die Artillerie feuern weiterhin in Falludscha und anderen sunnitischen Städten auf zivile Ziele. Das Zentralkrankenhaus von Falludscha wurde direkt am Tag nach der Ankündigung Al-Abadis erneut getroffen. Auch im Oktober gingen die Angriffe weiter und töteten mindestens 178 Menschen und verwundeten 285.[25] Die Zahl der seit Anfang des Jahres durch Luft- und Bodenangriffe getöteten Zivilisten stieg dadurch auf über 1400, darunter Hunderte Frauen und Kinder.[26]

Eine grundsätzliche Änderung der Politik Bagdads war von Malikis Nachfolger auch nicht ernsthaft zu erwarten. Wenn nach dem rasanten Aufstiegs ISILs die „Unfähigkeit“ Malikis und der irakischen Politiker in der Grünen Zone Bagdads allgemein, gegeißelt wurde, so wurde geflissentlich übersehen, dass die Politik, die den Irak immer weiter in den Abgrund treibt, bereits unter der direkten US-Besatzung begonnen wurde. Vor 2003 gab es im Irak weder konfessionellen Proporz noch dschihadistische Gruppen. Sie installierten ein schiitisch-islamistisches Regime, förderten eine einseitig gegen Sunniten betriebene „Ent-Baathifizierung“ und entfesselten schließlich zur Schwächung des Widerstands im Land einen schmutzigen Krieg gegen Sunniten und die unabhängige Intelligenz des Landes.[27] Maliki führte diese Politik nur fort, ab 2009 mit Unterstützung Obamas.[28]

Das Regime, das vor acht Jahren mit Maliki an der Spitze installiert wurde, beruht auf einem Kompromiss zwischen Washington und Teheran. Deren zentrales gemeinsames Ziel bezüglich Irak besteht in der dauerhaften Verhinderung jeglicher Wiederbelebung eines souveränen, arabisch-nationalistisch orientierten irakischen Staates. Die Nominierung Al-Abadis, der der gleichen Partei wie Maliki angehört, beruht auf demselben Kompromiss.

Eine solche, gegen die Interessen der Mehrheit der Bevölkerung gerichtete Zielsetzung, lässt sich jedoch nur mit Gewalt durchsetzen, gestützt auf die Betonung religiöser Identitäten und die Mobilisierung ethnischer und konfessioneller Feindseligkeiten inklusive der Förderung fanatischer Milizen. Solange diese Strategie verfolgt wird, ist ein Eingehen Bagdads auf legitime Forderungen der sunnitischen und säkularen Aufständischen, wie auch der oppositionellen schiitischen Kräfte im Süden ausgeschlossen. Damit werden die bewaffneten Auseinandersetzungen anhalten, ISIL und andere radikale Milizen Rückenwind behalten und das Land weiter zerfallen.

Das immer massivere militärische Eingreifen der USA auf Seiten der Regierungstruppen, schiitischer Milizen und kurdischer Peschmergas verschärft die Entwicklung weiter. Denn es richtet sich keineswegs allein gegen den „Islamischen Staat“, sondern offensichtlich gegen die gesamte Aufstandsbewegung. Andernfalls hätte man beim Vorgehen eine klare Trennung zwischen dieser und den Dschihadisten vornehmen müssen, wie es u.a. die ICG seit Monaten fordert. Statt die Opposition in den sunnitischen Gebieten gleichfalls zu „Terroristen“ zu stempeln, sollten die UNO und die USA anerkennen, dass sie legitime bzw. verhandelbare politische Anliegen verfolgt und der, durch die brutale Niederschlagung friedlicher Proteste eskalierte Konflikt, daher durchaus politisch lösbar wäre.

Die erneute mediale Fokussierung auf dschihadistische Kräfte, wie während des raschen Anwachsens des irakischen Widerstands ab 2004, geht exakt in die entgegengesetzte Richtung und dient dazu, das alte, schiitisch-sektiererische Regime in Bagdad wieder zu stabilisieren.

[Auch zwischen 2003 und 2008 wurde die Rolle der al-Qaeda nahen Gruppen im Irak massiv aufgebauscht und zum anderen jeglicher bewaffneter Widerstand mit deren Terroraktionen in einen Topf geworfen –  mit durchschlagendem Erfolg: die internationale Solidarisierung mit dem nationalen Widerstand gegen die brutale Besatzung – die angesichts des weltweiten Engagements gegen den Krieg an sich zu erwarten gewesen wäre – wurde so effektiv verhindert.]

Durch das direkte militärische Eingreifen und den Wiederaufbau einer starken Präsenz von US-Truppen will Washington, die Gunst der Stunde nutzend, den eigenen Einfluss auf dieses Regime auch wieder ausbauen, nachdem es sich in den vergangen Jahren immer mehr an den Iran anlehnte.  Nach der angekündigten Entsendung weiterer Einheiten, steigt die Stärke der regulären US-Truppen im Irak schon bald auf über 3.000 Soldaten. [Hinzu kommen noch das Militär unter den 5.500 Mitarbeitern der riesigen US-„Botschaft“[29], über 5.000 von dieser angeheuerten Söldner sowie eine sicherlich nicht unerhebliche Zahl von verdeckt operierenden Spezialeinheiten.[30]] Auch wenn Obama versichert, die neuen Truppen hätten keinen Kampfauftrag, so sind ihre Einsatzorte direkt an der Front.[31] Mit dem Hauptquartier der 1. Infanterie Division wurde zudem bereits ein Stab für 10.000 Mann in den Irak verlegt, ein deutliches Indiz für weitreichendere Pläne.[32]

Parallel dazu verstärken die USA auch die militärische Präsenz im irakischen Kurdistan. So plant das Pentagon drei neue Militärbasen, darunter einen Militärflughafen in Erbil.[33] Auch der bereits im Juli begonnene massive Ausbau der CIA-Zentrale in Erbil deutet auf eine Intensivierung der militärischen Zusammenarbeit hin.[34] Von den 1,6 Mrd. Dollar die Washington 2015 für Waffenlieferungen in den Irak bereitstellen will, sind 355 Mio. für Barzanis Peschmergas bestimmt. [35]

Während in Syrien der wichtigste Schritt zum Frieden, das Ende der Umsturzbemühungen durch die NATO-Staaten und ihren Verbündeten, insbesondere die Einstellung der Ausrüstung regierungsfeindlicher Milizen, wäre und es dort darum geht, nicht nur die Gegenwehr in Kobani und anderen kurdischen Enklaven gegen dschihadistische Gruppen zu unterstützen, sondern in ganz Syrien, ist der Ausweg aus Chaos und Gewalt in Irak wesentlich schwieriger. Nötig wäre auch hier ein Ende der zerstörerischen Einmischung von außen, sowohl von Seiten der USA und ihren Verbündeten als auch seitens Irans, durch die erst die Bildung einer Regierung möglich würde, die tatsächlich alle relevante Kräfte vertritt, ihre Politik an nationalen Interessen orientiert und eine effektive Verwaltung ohne Proporz aufbauen kann, sowie den Provinzen mehr Autonomie gewährt und eine gerechtere Verteilung der Ressourcen sicherstellt.

Ein erster Schritt wäre die ausschließliche Fokussierung auf den „Islamischen Staat“ zu durchbrechen, einer breiten Öffentlichkeit klar zu machen, dass nicht allein ISIL für brutale Verbrechen verantwortlich ist, Städte angreift und ganze Bevölkerungsgruppen bedroht, sondern auch Regierungstruppen und Milizen, der vom Westen unterstützte Regierung in Bagdad.



[3] 'Absolute Impunity: militia rule in Iraq', Amnesty International UK, 14.10.2014

[5] The Gangs of Iraq -- Marauding pro-government militias are using the fight against the Islamic State as a pretext to destroy Sunni Arab communities across the country, Foreign Policy, 3.11.2014

[9] Breaking Badr, the bloodthirsty fighters might be Baghdad's best hope of stopping the Islamic State, Foreign Policy, 6.11.2014

[10] s. z.B. Shootout between 'allies' underscores Iraq divisions, 8.10.2014 - In Tuz Khurmatu, a gun battle between Shia militia and Kurdish fighters – nominal partners in the fight against IS militants – highlights the ethnic and sectarian tensions pulling northern Iraq apart.

[14] Laut Al-Monitor sind des 700,000-800,000 bpd, 300.000 bpd bis März  Iraqi oil sector faces prospect of independent Kurdistan, Al-Monitor, 21.7.2014

[15] IraqÂ’s Cash-Strapped Kurds Gear Up For Kirkuk Export Boost, mees (Middle East Energy News), 17.10.2014

[17] siehe Dilip Hiro, “The Sarajevo of Iraq”, ZNet; 22.7.2004, Anderson, Liam D.; Stansfield, Gareth R. V., Crisis in Kirkuk: The Ethnopolitics of Conflict and Compromise, University of Pennsylvania Press 2009 und „In our hands“, Al Ahram Weekly, 17.3.2005

[28] Juan Cole, Mass Sunni Uprising Forces Iraq to Confront Sectarian Blowback of 2003 U.S. Invasion, Democracy Now!, 18.6.2014

[30] Role of U.S. Contractors Grows as Iraq Fights Insurgents, Wall Street Journal, 3.2.2014, America's paid boots on the ground - The U.S. may turn to military contractors to fight ISIS, The Week, 8.11.2014

[32] Army sending division HQ element to Iraq, Stars and Stripes, 25.09.14
00:37 How to choose an online course (last post of 2014!) »Thoughts On Translation
After tomorrow, the Thoughts on Translation world headquarters will be closed for vacation through January 4, so before we dig into today’s topic, here are a few end-of-year recommendations: Start thinking about taxes as soon as you get back from your holiday break. You can close out your books immediately, so why not do it […]

Thursday December 18, 2014

19:11 Hot Weather Reduces Productivity »German Joys
Another reason air-conditioning is a blessing: A new study just released by the National Bureau for Economic Research [argues]that it is warmer temperatures that may be the real economic cost [of global warming]. The paper, by Tatyana Deryugina of the...
16:11 In Defense of 'Serial', a Brilliant Podcast about the Epistemology of Investigation »German Joys
The Final Episode Of Serial from Funny Or Die If you haven't been following 'Serial', the podast from Chicago Public Radio, you should. It's like nothing you've ever heard before. Go to the podcast website and listen to the episodes...
16:06 Mechanik »Dolmetscher-Berlin
Herz­lich Will­kom­men auf den Blog­sei­ten einer Sprach­ar­beiterin. Hier den­ke ich über den All­tag der Welt der Kon­fe­renz­dol­metscher und Über­setzer nach. Hier erfahren Sie, was Muskeln mit deutscher TV-Unterhaltung, Ketten und Fähr­män­nern zu tun hat. Zwischen den Jahren ist mein Übersetzerwerkstatt geöffnet.

In zehn Jahren haben die Maschinen alle Ăśbersetzer und Dolmetscher abgeschafft! Wetten, dass... ?

Kamm (Reet) zum Anschlagen per Griff
Ach nee, "Wetten, dass" gibt's ja nicht mehr. Gut, zweiter Versuch: Wenn das all­ge­mei­ne Bildungsniveau und das Ein­kom­men rapide sinken, damit auch das Warenangebot, alles wird einfach, am En­de stam­meln die Menschen nur noch Sätze, die eine Maschine in zehn Jahren problemlos über­trägt. Macht auch kein' Spaß, solch' eine Dystopie in diesen schö­nen, festlichen Tagen!

Noch ein Anlauf: Sprache ist so vielfältig und hängt immer vom Hintergrundwissen, Moden in gesellschaftlichen Kreisen, Literatur und Medien- oder Werbezitaten ab, dass sich oft die Geschlechter untereinander oder die Mitglieder ein- und der­sel­ben Familie kaum noch zweifelsfrei verständigen können.

Garnspulen
Wissen Sie, wovon ich spreche? Ergänzen Sie: Geiz ist ... Ihre Großeltern und ihre Urenkel werden den Satz nicht in der glei­chen Weise beenden, wie Sie das gerade gemacht haben. Und 95 % der Urenkel jener, die diese Zeilen lesen, werden von abgesetzten der ZDF-Sendung auch nichts mehr wissen.

Was hat das mit Dolmetschen und Über­setzen zu tun? Weil das alles jeweils in Texten mitschwingt und irgendwie trans­feriert werden muss. Also in allen Texten jedenfalls, die mehr aussagen als
Ankomme Montag 18 Uhr Hauptbahnhof.

Wenn Sie älter als 25 sind, können Sie das gerade noch zuordnen. Der "Te­le­gramm­stil" sagt aber schon Kids von heute nichts mehr.

Heutige Maschinen sind von zeitgenössischen Texten schon überfordert. Hier ein zufällig ausgewähltes Bespiel:
Proust Geschichte über ein junges Mädchen, das nach einem Sturz in der Lie­be, wacht zehn Jahre später, wenn Mutter und Kind und ist in den Pro­zess der Scheidung. Sie können das Streifen durch Kabelfernsehen oder in den Deutsch / Schweizer (Switzerland) Kinos mit ursprünglichem Audio online gucken, in Französisch, in mit Untertiteln versehenem und in betitelt in Deutschen zu den verschiedenen Zeiten.
Es handelt ich um einen Spielfilm aus dem 21. Jahrhundert, der mit Marcel P. gar nichts zu tun hat. Und wen ich mit Marcel meine, verstehen Sie nur, wenn Sie sich ein wenig in Literatur auskennen. Ansonsten steht's ja auch oben. Un marcel ist auf Französisch, wie es in Familien gesprochen wird, übrigens eine Unterhemd-Form. Die Amis nennen es muscle shirt, also ärmelfrei, damit die Mus­keln schön zu sehen sind. Die Kreise, in denen das erfunden wurde, waren garantiert nicht auf der Su­che nach verlorenen Zeiten.

Kette und Schuss
Texte sind Gewebe. Kul­tur­pro­duk­te, künstlerische Ela­bo­ra­te usw. gehören den Re­zi­pien­ten, die sie sich an­eig­nen, soviel zur Theorie.

Praktisch bedeutet das, dass jene, die den Fährmann ma­chen (oder die Fährfrau), die also über-setzen, viel kul­tu­rel­les Gepäck mit sich her­um­schlep­pen dürfen (und es wird immer mehr).

Und die Entwicklung einer perfekten Dolmetschmaschine würde vermutlich 5.000 Mannjahre kosten, inklusive Programmierung der unterschiedlichen Fachsprachen, Soziolekte und Berufsjargons. Und in der Testphase, bei der sich herausstellt, dass der Output nur mit großer Verzögerung bei den Hörern ankommt, wären die Pro­zes­so­ren nach zwei Stunden verschmort.

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Fotos: C.E.
13:45 Unglaublich: Ein Drittel der ĂśbersetzungsbĂĽros meldet Geschäftszahlen nicht fristgerecht an Bundesanzeiger »uepo.de - Das Nachrichtenportal fĂĽr Ăśbersetzer
“Wann erscheint endlich eine neue Fassung der UEPO 300?”, werden wir bei uepo.de oft gefragt. Die neueste Version der Rangliste der größten deutschen Sprachdienstleister wurde 2013 fĂĽr das Jahr 2011 erstellt. Die Antwort ist einfach: Wir können noch keine neue Liste erstellen, weil sehr viele Sprachdienstleister ihre Geschäftszahlen noch nicht … Weiter lesen
13:27 Job opportunity – Associate Translator (EN), International Criminal Court »Translation & the law: From words to deeds
The International Criminal Court in The Hague is offering a post as Associate Translator (English), at the Court Interpretation and …

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12:45 The Many Faces of Arrogance »Patenttranslator's Blog
  I think it was Shakespeare who said that love has so many faces that the whole world is just a carnival. But, be that as it may, so does arrogance. Shakespeare probably said as much too, in another play. Everyone who has been in business for a while can probably remember a few customers […]
11:05 Last Call: Konferenz-Ticket-Verlosung fĂĽr die TactixX und die SMX am 19.12. »Die Internetkapitäne
Noch einmal hier der kurze Hinweis: Morgen (19.12.2014, 10 Uhr) ziehe ich die Gewinner des TactixX-Tickets und des SMX-Tickets. Also, jetzt noch schnell teilnehmen: Hier geht´s zur TactixX-Verlosung Hier geht´s zur SMX-Verlosung Viel Erfolg und ein frohes Weihnachtsfest! Fabian Haubner

Wednesday December 17, 2014

19:37 Choosing the perfect keywords for your iOS app »Translation and Localization | Scoop.it

It’s time to generate a list of keywords that will help potential customers to find your iOS app. This article will show you how to boost your chances of choosing the right keywords for maximum App store success.


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18:46 Retirada proyecto de ley transposiciĂłn de Directiva sobre derecho a traducciĂłn e interpretaciĂłn en procesos penales »RED COMUNICA. TRADUCCIĂ“N E INTERPRETACIĂ“N EN SERVICIOS PĂšBLICOS
Querido/a compañero/a

Desde la red VĂ©rtice y CCDUTI, con el apoyo de otras organizaciones, hemos creado esta peticiĂłn en change.org para solicitar al gobierno la retirada del proyecto de ley de reforma de la LECRIM para transponer la directiva 64/2010 dadas las carencias del texto legislativo. AyĂşdanos a lograrlo firmando la peticiĂłn y difundiĂ©ndola entre tus contactos.

Un saludo

ComisiĂłn CCDUTI


14:00 Translators or Creators? »Translation Blog
While we may translate messages from third parties, we nevertheless do so with our own words. Indeed, it is this choice of symbols and meanings that constitutes a creation and gives translators the role of “co-authors.” Translation as a creative action—that is, as co-authorship—is present by default in literary translation, which is impregnated with feelings […]
13:08 Ăśbersicht 2014 »Dolmetscher-Berlin
Welcome, bienvenue, hier bloggt eine Dolmetscherin und Übersetzerin über ihren Berufsalltag. Meine Sprachen sind Französisch (als Ausgangs- und Zielsprache) und Englisch (Ausgangssprache).

Planung ist das A und O, Sauerstoff auch
Heute folgt hier wieder mein regelmäßig gewährter Blick auf den Schreibtisch.

Unten habe ich die Dos­siers auf­ge­führt, die mich in den letzten Monaten be­schäf­ti­gt haben. Ich sortiere gerade die letzten Vokabellisten, Hin­ter­grund­texte und Kon­gress­ma­te­ria­lien ein und freue mich an der gro­ßen Viel­falt der Projekte.

— Allgemeine Politik, Wirtschafts- und Finanzkrise, Steuergerechtigkeit
— EU-Wahlkampf und -Politik
— Logistik/Transportwesen: Gütertransport via Bahn und Schiff, Multimodalität
— Internetwirtschaft, Urheberrecht
— Französisches Kino und Filmwirtschaft: das Problem der mittelgroßen Filme
— Gesundheits- und Krankenhausmanagement
— Architektur/Urbanismus: sozialer Wohnungsbau, Altbausanierung, Bauökologie
— Architektur/Energie: Wärmedämmung, Energiewende, neue Energiequellen 
— Berufsausbildung und Integration von Schulabbrechern in die Arbeitswelt
— Nachhaltiges Design, u.a. im Rahmen von Produkttests
— Kundenberatung: Verkäuferschulung
— Personalauswahl
— Papiergroßhandel (Internetshop)
— Firmengründung in Deutschland aus französischer Perspektive
— Pressemeldungen zu TV-Ausstrahlungen, Filmstarts sowie Pressehefte
— Aktuelle Situation Afrikas: Kongo, Tunesien, Westafrika
— Vernachlässigte Tropenkrankheiten, insbesondere Ebola
— Asylpolitik und Zuwanderung
— Deutsche Geschichte, in Sonderheit 25 Jahre Mauerfall

Diese Themen beschäftig(t)en mich im Hinblick auf Konferenzen und Seminare, Dreharbeiten, Drehbuchübersetzungen, interne Beratungen der Politik, diverse Bildungsangebote sowie im Rahmen unternehmerischer Tätigkeit Dritter.

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Foto: C.E. (Archiv)
11:51 Fernglas »Dolmetscher-Berlin
Will­kom­men auf der Sei­te ei­ner Fran­zö­sisch­dol­met­scher­in und -über­setzerin aus Berlin. Hier kön­nen Sie in unseren Alltag Einblicke nehmen.

Warum gehört das Fernglas ins Reisegepäck eines Dolmetschers? Vor et­was mehr als sechs Jahren habe ich darüber geschrieben. Heute blicken wir wieder mal zurück.

Gelegentlich haben wir Mühe, manchen Rednerbeiträgen zu folgen, nicht nur, wenn in ho­hem Tempo vorgetragen wird. Die Entfernung der Kabine zum Podium lässt sich indes mit Hilfsmitteln über­win­den. Dann darf nur nicht der Bild­schirm des Laptops die Sicht behindern ...

Hier geht's weiter.

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Foto: C.E. (Archiv)
10:35 El gobierno de España no quiere traductores ni intĂ©rpretes profesionales »Traduccion Juridica

Hoy nos hacemos eco en este blog de la protesta conjunta de traductores, intĂ©rpretes y acadĂ©micos ante la prĂłxima reforma de la Ley de Enjuiciamiento Criminal que pretende aprobar el gobierno de España. Foto de Dian Lofton para TED Conference en Flikr Los que nos seguĂ­s, sabĂ©is que este tema nos preocupa. La mala regulaciĂłn […]

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09:18 Das neue suchradar 51 ist da: Lokale Ranking-Faktoren, Video SEO, Konferenzen + vieles mehr »Die Internetkapitäne
Das neue suchradar 51 steht ab sofort zum kostenlosen Download bereit. Somit sollte es fĂĽr die nahenden Festtage auch genĂĽgend Lesestoff rund um SEO, SEM, Analytics und Online-Recht geben. Also, hier kommen alle Themen der neuen Ausgabe: SEO Lokale Suche: Ranking-Faktoren 2014 – Expertenumfrage Semantic SEO: Googles Entwicklung zur semantischen Suchmaschine Video-Marketing: In 5 Schritten […]
07:43 How Finnish legislation is made »Translation & the law: From words to deeds
Following a recent post “How English legislation is made” which seemed to be quite popular, here is
01:45 Hochschule Landshut startet 2015/2016 neuen BA-Studiengang Gebärdensprachdolmetschen »uepo.de - Das Nachrichtenportal fĂĽr Ăśbersetzer
Zum Wintersemester 2015/2016 plant die Hochschule Landshut die EinfĂĽhrung des neuen Bachelor-Studiengangs „Gebärdensprachdolmetschen“. HierfĂĽr wurde bereits dieses Wintersemester Prof. Dr. Uta Benner an die die Hochschule Landshut berufen. An der Fakultät fĂĽr Soziale Arbeit ist sie fĂĽr die konzeptionelle Entwicklung und fachliche Ausgestaltung des neuen Studiengangs verantwortlich. Uta Benner hat … Weiter lesen

Tuesday December 16, 2014

20:10 Irak ‒ der endlose Krieg: „Islamischer Staat“, irakischer Aufstand und das... »Joachim Guilliard
Im Unterschied zu seinem Vorgänger, George W. Bush, erhält US Präsident Obama für seine neuen Kriegseinsätze breite Unterstützung bis hinein in die Linke. Dramatische Berichte über die Vertreibung von Christen und Yeziden durch die brutale Miliz „Islamischer Staat“, die im Norden Iraks bis fast an die Grenzen des kurdischen Autonomiegebietes vorgerückt ist, hatten ihre Wirkung nicht verfehlt. Sogar von „Völkermord“ war schon wieder die Rede.

Nun waren die in der Region meist noch mit der bisherigen Namen „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ (ISIL oder arabisch Daish) bezeichneten, al-Qaeda nahen Dschihadisten keine neue Erscheinung. Doch solange sie ihre Blutspur allein in Syrien zogen, hat man sie nur verbal verurteilt, faktisch aber weiterhin ‒ als Teil der gegen die Assad-Regierung kämpfenden Allianz ‒ unterstützt.[2] Zur zu bekämpfenden Bestie wurde ISIL erst, als seine Vorstöße im Irak bis in die, von den irakischen Kurdenparteien KDP und PUK kontrollierten Gebiete reichten und damit unmittelbar die sich dort befindlichen Öl- und Gasfelder bedrohten, auf denen westliche Ölkonzerne aktiv sind.

Mit der direkten militärischen Intervention und der erneuten Stationierung eigener Truppen im Irak will die Obama-Regierung nicht nur die aus dem Ruder gelaufene Miliz zurechtstutzen und das Regime in Bagdad stabilisieren, sondern auch den geschwundene Einfluss im Land wieder stärken. Die irakisch-kurdischen Partien nutzen die in Gelegenheit, um die faktische Unabhängigkeit der von ihnen kontrollierten Gebiete weiter voranzutreiben.

Indem das ganze Geschehen, wie schon während der US-Besatzung, auf die Auseinandersetzung mit islamistischen Terrortruppen reduziert wird, wird erneut der Kampf breiter Bevölkerungsschichten gegen das von der Besatzung geschaffene Regime ausgeblendet, wie auch die brutale Gewalt irakischer Regierungskräfte und regierungsnaher schiitischer Milizen, die der von ISIL kaum nachsteht und bisher wesentlich mehr Todesopfer forderte. Durch die Fokussierung auf den zur Inkarnation des Bösen hochstilisierten ISIL, konnte auch die öffentliche Zustimmung für ein direktes militärisches Eingreifen in Syrien gewonnen werden, das ein Jahr zuvor noch aufgrund der breiten Opposition abgeblasen werden musste.

In Syrien bombardieren die Staaten, die hauptsächlich für die eskalierende Gewalt dort verantwortlich sind – also eine „Koalition der Schuldigen“[3] ‒ nun in erheblichem Maß auch die syrische Infrastruktur, während sie gleichzeitig weiterhin die islamistischen Milizen, die gegen die Assad-Regierung kämpfen, unterstützen und das Nato-Mitglied Türkei die Grenzen auch für ISIL-Kämpfer und ihren Nachschub sowie deren umfangreichen Schmuggel mit syrischen Öls offen hält.

Auch die Bundesregierung ist diesmal mit dabei. CDU und SPD nutzten die Stimmung, um eilig 600 Tonnen Kriegsgerät (darunter 120 Panzerfäuste, 20 Boden-Boden-Raketen vom Typ Milan und 4.000 Sturmgewehre) an die irakisch-kurdische Partei KDP zu liefern,[4] die im kurdischen Autonomiegebiet regiert. Durch diese Waffenlieferung an einen nichtstaatlichen Akteur in ein Krisengebiet, mit der sie am Parlament in einen bewaffneten Konflikt intervenierten fegte sie gleich drei bisherige militärische Selbstbeschränkungen deutscher Politik zur Seite ‒ und demonstrierten so deutlich, wie sie sich die Übernahme „größerer Verantwortung“ durch Deutschland vorstellen.

ISIL ‒ ein Produkt US-geführter Kriege

Der Vorläufer von ISIL entstand ab 2003 im besetzten Irak, als sunnitische Extremisten aus diversen Kampfgebieten der Welt ins Land strömten, das bis dahin keinerlei Basis für dschihadistische Gruppen bot.

Prominent wurde die Gruppe um den Jordanier Abu Musab as-Zarqawi (die „Organisation der Basis des Dschihad in Mesopotamien“), die aufgrund seiner Beziehungen zu Al-Qaeda von westlichen Beobachtern als „Al-Qaeda im Irak“ (AQI) bezeichnet wurde. Diese schloss sich mit ähnlich gesinnten Gruppen im „Schura-Rat der Mudschaheddin im Irak” zusammen, der 2006 die Errichtung eines „islamischen Emirats“ bzw. „Staates“ im Irak (ISI) ausrief. Finanziert und ausgerüstet wurden die Gruppierungen schon damals vor allem von Sponsoren aus den Golfmonarchien.

Obwohl ihre, stark vom Wahabismus, der extremistischen Staatsreligion Saudi-Arabiens beeinflusste Ideologie mit dem traditionellen Religionsverständnis irakischer Sunniten nichts gemein hat, wurden sie zunächst als kompromisslose, kampferprobte und gut bewaffnete Kämpfer gegen die Besatzer begrüßt. Für viele, unter Kriegs- und Embargo-Bedingungen aufgewachsenen jungen Männer, die nach dem wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruch des Landes ohne Perspektive bei ihren verarmten Familien lebten, waren ihre Radikalität und ihre Soldzahlungen durchaus attraktiv. Vor allem arbeitete ihnen die sektiererische Teile-und-Herrsche Strategie der Besatzer zu, die schiitisch-islamistische Kräfte an die Spitze des neuen Regimes stellten und sunnitische Nationalisten mit aller Gewalt zu neutralisieren suchte. [Sie installierten ein schiitisch-islamistisches Regime und initiierten eine sehr selektiv angewandten „Ent-Baathifizierung“, die unter Sunniten selbst einfache Mitglieder der einstigen Einheitspartei um ihre Jobs brachte.[5] Die USA investierten, wie der britische Guardian und die BBC letztes Jahr berichteten, acht Milliarden Dollar in den Aufbau von Spezialkommandos und Todesschwadronen, überwiegend aus den Reihen radikal-schiitischer Milizen. [6] Mit deren Hilfe führten die Besatzer ab 2005 unter Leitung von US-General David Petraeus einen schmutzigen Krieg gegen die gesamte Bevölkerung der – mehrheitlich sunnitischen – Zentren des Widerstands. [7] „Die sunnitische Bevölkerung zahlt für die Unterstützung der Terroristen keinen Preis“, zitierte Newsweek 2005 einen Offizier aus dem Pentagon. „Aus ihrer Sicht ist das kostenlos. Wir müssen diese Gleichung ändern.“ [8]. Dieser schmutzige Krieg eskalierte im Zusammenspiel mit dem Terror der al-Qaeda-nahen Gruppen ab 2006 zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen. Hunderttausende Tote und Millionen Flüchtlingen waren die Folge.]

Auch sie sunnitischen Besatzungsgegner mussten bald feststellen, dass die sunnitischen Extremisten den irakischen Kriegsschauplatz nur für ihr universelles Ziel des Aufbaus eines islamischen Gottesstaates missbrauchten und zu Mitteln griffen, die absolut inakzeptabel waren und dem Widerstand massiv schadeten.[9] Zum offenen Konflikt kam es, als die Gruppen vielerorts versuchten, gewaltsam die örtliche Kontrolle zu übernehmen. Oft waren es nichts weiter als Banden junger Männer, die unter Berufung auf Al-Qaida die Bewohner tyrannisierten und Geld erpressten.

Die Dschihadisten erwiesen sich damit für die Besatzer im Kampf gegen den patriotischen Widerstand als überaus nützlich. Sie schwächten diesen durch ihre Auseinandersetzungen nicht nur militärisch, sie lieferten mit ihren Terroranschläge gegen schiitische Gläubige, religiöse Einrichtungen etc. vor allem auch Steilvorlagen für die westliche Propaganda zur Diskreditierung des bewaffneten Widerstands allgemein und torpedierten die zunächst erfolgversprechenden Ansätze eines Zusammengehens säkularer, sunnitischer und schiitischer Besatzungsgegner.

Die wichtigsten Widerstandsgruppen schlossen 2006 schließlich ein Bündnis gegen ISI. Parallel dazu entstand die sogenannte „Al-Sahwa“- oder „Erwachen“-Bewegung: sunnitische Bürgerwehren [von US-Stellen gerne „Söhne Iraks“ genannt], aus ehemaligen Guerilla-Kämpfern und Stammeskriegern, die von den Besatzern Sold und Ausrüstung für den Kampf gegen die dschihadistischen Gruppen erhielten.[10] Mit vereinten Kräften wurden sie schließlich weitgehend zerschlagen.[11] Ende 2010 war die Stärke von ISI auf maximal 1000 Kämpfer geschrumpft.[12]

Kämpfer „made in America“

Der NATO-Krieg gegen Libyen und der von außen angefeuerte bewaffnete Aufstand in Syrien schufen jedoch bald die Basis für ein Revival. Im Krieg zur Unterwerfung Libyens waren von den USA, England und Frankreich 2011 Zehntausende Islamisten ausgerüstet und teils auch ausgebildet worden, denen mit dem Zusammenbruch des Staates große Mengen weiterer Waffen in die Hände fielen. Ein großer Teil davon floss über Jordanien und die Türkei nach Syrien.[13] Auf demselben Weg strömten auch Tausende Kämpfer aus Libyen, Afghanistan, Irak, Tschetschenien und vielen anderen Ländern nach Syrien, um dessen verhasstes, weitgehend säkulares Regime zu stürzen.[14] Geld, Waffen und Material flossen aber auch aus den USA und den Golfstaaten an die aufständischen Gruppen. Offiziell waren sie für die „moderaten Aufständischen“ bestimmt, vor Ort gab es jedoch so eine klare Trennung zwischen „moderaten“ und radikalen Islamisten nicht. Der größte Teil ging, wie auch ein erheblicher Teil der Kämpfer, zu den Gruppen über, die sich als am schlagkräftigsten und finanzstärksten erwiesen ‒ und dies waren die Al-Nusra-Front und ISI, der sich als „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ (ISIL) nach Syrien ausgedehnt hatte.[15](Wie eng die verschiedenen Gruppen auch heute noch zusammenarbeiten läßt sich u.a. einer Reuters-Meldung vom 16.12.2014 über Gebietsgewinne im Norden Aleppos entnehmen. Demnach standen der Armee dabei Kämpfer des ISIL und der al-Nusra-Front sowie "vom Westen unterstützte Rebellen" gegenüber.)

Weil „die Türken … die Saudis und die Emirate unbedingt Assad stürzen wollten, haben sie sogar einen Stellvertreterkrieg zwischen Sunniten und Schiiten in Kauf genommen und für Hunderte von Millionen Dollar Zehntausende von Tonnen Waffen an alle geliefert, die Assad bekämpfen wollten, auch an Al-Nusra, Al-Qaida und die radikalen Dschihadisten, die aus allen Teilen der Welt herbeigeströmt sind,“ gab Vizepräsident Joe Biden in einem schwachen Moment vor Studenten der Harvard University preis.[16] Die Rolle der USA und der anderen Nato-Mächte überging er dabei geflissentlich.

Ohne den Segen aus Washington würde die Türkei wohl kaum den islamistischen Kämpfer Bewegungsfreiheit in den türkischen Grenzgebieten gewähren und ihren Geheimdienst den Nachschub aus Saudi-Arabien und Katar zur Grenze transportieren lassen. Tatsächlich trainierten auch eigene Berater zusammen mit britischem und französischem Militär „FSA-Kämpfer“ in Jordanien im Umgang mit modernen Waffen, obwohl für jeden der es wissen wollte, abzusehen war,. dass viele der Rebellen, die diese Spezialausbildung erhielten, später zum ISIL oder zur Al-Nusra Front überlaufen würde. [17] „Wir hatten schon zu einem frühen Stadium Informationen …, dass Leute, die die USA und ihre Verbündeten ausgebildet haben, um in Libyen und Syrien für ‚Demokratie’ zu kämpfen ,eine dschihadistische Agenda verfolgen,“ teilte z.B. auch ein hochrangiges Mitglied eines arabischen Geheimdienstes der Washington Post mit.[18]]

Ein Kämpfer aus Bengazi schildert der Washington Post, wie er und andere Libyer während des Kampfes gegen Gaddafi von französischen, britischen und US-amerikanischen Militär- und Geheimdienstleuten Ausbildung und Ausrüstung erhalten“ haben, bevor sie 2012 über die Türkei nach Syrien gingen. Zuerst habe er unter dem gekämpft, was die Leute ‚freie syrische Armee’ nennen, doch dann wechselte er zu Al Nusra. Sobald seine Wunden verheilt seien, die in einem türkischen Krankenhaus behandelt wurden, wolle er sich jedoch dem Islamischen Staat anschließen. „Ich bin ein Kämpfer ‚made in America‘ sage ich ab und zu scherzhaft.“


Schließlich ist die Finanzierung durch Ölschmuggel aus den besetzten Ölquellen und Raffinerien nur möglich durch die einseitige Lockerung des EU-Embargos für die „syrische Opposition“ und die Komplizenschaft der Türkei, in die die Tanklastzüge rollen und von wo es von türkische Mittelsmänner verkauft wird.]

ISIL ist somit offensichtlich das Produkt der Kriege der USA und ihrer Verbündeten gegen den Irak, Afghanistan, Libyen und Syrien, das Produkt der Zerschlagung dieser Staaten und der Zerstörungen ihrer Gesellschaften.

ZurĂĽck ins Mittelalter

Das Ziel von ISIL ist die Wiederherstellung des Kalifats, d.h. die Auflösung des durch die Kolonialstaaten nach dem Ersten Weltkrieg im Nahen und Mittleren Osten geschaffenen Staatensystem und den Wiederaufbau eines einheitlichen islamischen Reiches unter Führung eines Kalifen, der als Nachfolger des Propheten Mohammeds die Herrschaft über alle Muslime ausübt] In seinen Medien stellt sich ISIS nicht als Rebellenarmee dar, sondern als soziale Bewegung mit einem bewaffneten Arm, eine Art „Befreiungsbewegung“. die den Grundstein für die Ausbreitung dieses Kalifats legt.

[So größenwahnsinnig die Proklamation eines Kalifats unter den aktuellen Umständen und auf so beschränktem Gebiet erscheinen mag, so knüpft sie an Bestrebungen an, die in den letzten Jahrhunderten immer wieder auflebten, gespeist vom Wunsch, die Vorherrschaft des Westens zu brechen und die islamische Welt zur einstigen Größe zu führen. Das grenzüberschreitende Territorium das ISIL nun für den Kern seines Kalifats reklamiert, negiert faktisch das verhasste Sykes-Picot-Abkommen und kann propagandistisch an die glorreichen Zeiten des Kalifats der Abbasiden anknüpfen, das von 749 bis 1258 über fünfhundert Jahre lang währte und damit traditionelle Sehnsüchte unter Muslimen nach dem Goldenen Zeitalter unter den rechtgeleiteten Kalifen ausnutzen.]

Diese Vision ist unter radikalen Islamisten äußerst populär, weit mehr als z.B. die der Al Nusra Front, so Charles Lister, Analyst des IHS Jane's Terrorism and Insurgency Centre gegenüber dem Magazin New York Review of Books.[19] Mit den Verbrechen westlicher Staaten an islamischen Ländern in den letzten Jahrzehnten wuchs die Attraktivität solcher Pläne, vor allem unter dem Heer arbeits- und perspektivloser junger Muslime, massiv.

ISIL strebt nicht den schnellen Sturz der aktuellen Regierungen an, sondern die sukzessive Ausdehnung seines Herrschaftsbereichs. [Ihre Stärke gewann die Miliz durch ein zweigleisiges Vorgehen: Durchführung von strategischen Angriffen zur Erbeutung wichtiger Ressourcen wie Waffenlager, Ölquellen oder Getreidespeicher bei gleichzeitiger Vermeidung ausgedehnter Gefechte mit syrischen Truppen, durch die andere regierungsfeindlichen Milizen stark geschwächt wurden.[20]] Ziel ist in erster Linie die Unterwerfung der Bevölkerung in den eroberten Gebieten, inklusive der Minderheiten, und nicht deren Vernichtung oder Vertreibung. Wer jedoch Widerstand leistet oder sich der auferlegten mittelalterliche Ordnung widersetzt (zu der z.B. auch die Bezahlung der „Dschizya“, der „Schutzsteuer“ für Nichtmuslime gehört) wird grausam bestraft, oft exemplarisch exekutiert. [Zur Durchsetzung ihres Herrschaftsanspruch greifen sie häufig auch zur Erpressung, indem z.B. Dorfälteste oder Stammesführer als Geisel genommen und im Falle von Gehorsamsverweigerung der örtlichen Bevölkerung ermordet werden. Als besonders brutal gelten die ausländischen Kämpfer, vor allem aus dem Westen, die nicht nur meist fanatischer sind sondern auch keinerlei persönliche Beziehung zur einheimischen Bevölkerung haben.]

[Die Realität des Kalifats sieht dennoch keineswegs so eindrucksvoll aus, wie es in den Medien hier erscheint, schreibt der Arabist Pedro Rojo Pérez.[21] Seine Präsenz im Land ist begrenzt und lückenhaft, staatliche Funktionen nur rudimentär zu erkennen. Im Irak muss ISIL meist parallel zu den Strukturen der lokalen aufständischen Kräfte agieren. Der mit der Ausrufung des Kalifats erhoffte Ansturm neuer Mitkämpfer blieb zunächst aus. Erst mit den Luftangriffen der USA, Großbritanniens und Frankreich wuchs der Zustrom rapide an.

Während in den Medien viel Aufhebens um die Ausrufung des Kalifats gemacht wurde, blieb die breite Ablehnung dieses dreisten Projekts durch sunnitische Organisationen weitgehend unerwähnt. AMSI, deren Ansichten erhebliches Gewicht bei den aufständischen Gruppen haben, verurteilte die Ausrufung scharf. Jegliche Ankündigung eines Staates oder Emirates ‒ sei es ein islamischer oder nicht-islamischer ‒ sei gegen die Interessen Iraks und dessen Einheit gerichtet. Es werde als Vorwand für die Teilung des Landes dienen und der Bevölkerung schweren Schaden zufügen.[22]]

Willkommenes Monster

Solange ISIL nur Städte und Dörfer in Syrien angriff, (darunter auch die von Minderheiten wie Drusen, Armenier oder Assyrer), hielt sich die Aufregung im Westen in Grenzen. Erst als er im Irak auch gegen kurdisch kontrollierte Gebiete vorrückte und die Ölfelder Nordiraks bedrohte (sodass westliche Ölkonzerne bereits begannen Personal aus dem Land abzuziehen[23]) füllten dramatische Berichte über seine Gräueltaten die Titelseiten.

An sich klingen die gesicherten Berichte über die brutalen Praktiken der Dschihadisten, wie Massenexekutionen und das Köpfen von Geiseln schon fürchterlich genug, doch würden sie sich damit nur quantitativ von anderen islamistischen Milizen abheben. Durch eine Flut zusätzlicher Schauergeschichten wurde ISIL zur Inkarnation des Bösen schlechthin hochstilisiert, zu dessen Bekämpfung letztlich jedes Mittel Recht ist.

Vieles ist, wie z.B. die in Kurdistan lebende niederländische Journalistin Judit Neurink berichtet, jedoch stark übertrieben oder nur ein Gerücht. [24] So erwies sich z.B. die Meldung, ISIL würde Frauen zur Genitalverstümmelung zwingen, genauso als falsch, wie Berichte über den Raub von 400 Millionen Dollar Bargeld aus der Zentralbank von Mosul. Erfüllt von Abscheu sind viele gerne bereit, jede Nachricht über die ISIL-Gräuel zu glauben und weiter zu verbreiten, ohne die Glaubwürdigkeit und Plausibilität zu prüfen.

[ISIL würde Frauen zur Genitalverstümmelung zwingen, so lautete beispielsweise eine auf Aussagen der „Humanitäre Koordinatorin“ der UNO im Irak, Jacqueline Badcock, basierende Meldung.[25] Diese wurde rasch von allen Medien verbreitet obwohl diese Praxis nichts mit islamistischer Ideologie zu tun hat. Befragte Bürger Mosuls, darunter Ärzte und Stammesführer, hatten auch nichts dergleichen vernommen, die Geschichte war ein Hoax. [26] Nahezu alle Medien hatten auch die Geschichte über einen gigantischen Bankraub der Gruppe berichtet. Nach der Einnahme von Mosul habe ISIL über 400 Millionen Dollar Bargeld sowie große Mengen Goldbarren aus der dortigen Zentralbank geraubt und sich so zur reichsten islamistischen Organisation der Welt gemacht. Der Raub hat jedoch nie stattgefunden. Nach Angaben des Chefs des Verbands der Privatbanken Iraks gab es keinen Überfall auf die Zentralbank und auch aus anderen Banken Mosuls sei nichts entwendet worden, „nicht mal ein Stück Papier“. [27]

ISIL habe auch, so heiĂźt es, Unmengen an Waffen und Material aus den Kasernen erbeutet, die von der irakischen Armee fluchtartig verlassenen worden waren. Anderseits berichteten irakische Offiziere der Nachrichtenagentur Reuters, sie seien knapp an Waffen und Munition gewesen. Die meisten Panzer, GeschĂĽtze und Maschinengewehre seien Anfang des Jahres in die Nachbarprovinz Anbar verlegt worden.[28]]

Letztlich arbeiten ISIL und die angreifenden Staaten bei der Eskalation des Krieges Hand in Hand. Während die Dschihadisten ihre Erfolge in ihren Medien gerne aufbauschen und mit ihren Verbrechen auch noch prahlen, sind letztere bemüht ihre Bestialität und Gefährlichkeit für die gesamte Region noch hochzuspielen.

Sahen sich Washington und London lange einer starken Opposition gegen erneute Kriegseinsätzen gegenüber, änderte sich dies schlagartig, als die Dschihadisten vor laufender Kamera US-amerikanischen und britische Geiseln köpften und ‒ der Wirkung solcher Bilder sicherlich wohl bewusst ‒ die schockierenden Aufnahmen, mit Unterstützung westlicher Medien, im Internet kursieren ließen.

[Geflissentlich wurde beim Entsetzen darüber ignoriert, dass ISIL nicht die einzige Miliz ist, die Gefangenen den Kopf abschlägt und dass diese mittelalterliche Hinrichtungsmethode auch von engsten Verbündeten regelmäßig praktiziert wird. Im August, demselben Monat in dem die beiden US-Amerikaner abgeschlachtet wurden, lies auch Riad 14 Gefangene köpfen und erhöhte die Zahl solcher Hinrichtungen in diesem Jahr auf über 46. Die Enthauptungen wurden öffentlich übertragen, einige sogar während eines Staatsbesuchs von Obama und Kerry. In keinem der führenden westlichen Medien war auch nur eine Zeile darüber zu lesen. Und so schauerlich die Aufnahmen wirken, so sind sie nicht grausamer als die Exekutionen von Terrorverdächtigen durch von Drohen abgefeuerte Raketen, die zudem neben den verdächtigen „Zielobjekten“ meist viele unschuldige Frauen, Kinder und Männer zerfetzen und auch nicht grausamer als die erneute Tötung unzähliger Unschuldiger durch die neuen Bombardierungen. ]

ISIL wiederum profitiert von den Luftangriffen der Nato-Staaten, stehen seine Kämpfer nun doch in direkter Konfrontation mit den westlichen „Kreuzrittern“. [29] Da Luftangriffe den kleinen beweglichen Einheiten der Miliz wenig anhaben können, werden die Verluste durch den seitherigen Zustrom neuer Märtyrer mehrfach ausgeglichen. Zudem scheinen rivalisierende Gruppen, wie die Al Nusra Front, angesichts des großen gemeinsamen Feindes bereit, ihre Auseinandersetzungen mit ISIL zurückzustellen.
 
[1] Obama to Send 1,500 More Troops to Assist Iraq, NYT, 7.11.2014, Knut Mellenthin, Wenn Präsidenten schwören ‒ Obamas Versprechen, keine Bodentruppen in den Irak zu schicken, und die Realität, jW, 19.09.2014

[2] s. u.A. Seymour M. Hersh, The Red Line and the Rat Line – Hersh on Obama, Erdoğan and the Syrian rebels, London Review of Books, April 6, 2014, Nafeez Ahmed, Follow the Money; Follow the Oil: How the West Created the Islamic State, Counterpunch, 12.9.2014

[3] Mahdi Darius Nazemroaya, USÂ’s 'Coalition of the Guilty' part of Iraq, Syria problem, RT, 18.11,2014

[4] Waffenlieferung von Waren in den Nordirak, NDR, 18.09.2014

[5] Juan Cole: Mass Sunni Uprising Forces Iraq to Confront Sectarian Blowback of 2003 U.S. Invasion, Democracy Now, 18.6.2014

[6] Mona Mahmood, Maggie O'Kane, Chavala Madlena and Teresa Smith, Revealed: Pentagon's link to Iraqi torture centres, Guardian, 6.3.2013, Joachim Guilliard, Gezielte Zerstörung, – Zehn Jahre Krieg der USA im Irak, junge Welt, 29.04.2013

[7]   Joachim Guilliard, Gezielte Zerstörung ‒ Analyse. Zehn Jahre Krieg der USA im Irak: der Staat wurde zerschlagen, die Wirtschaft ruiniert, die Gesellschaft fragmentiert und die nationale Kultur liquidiert, junge Welt, 29.04.2013

[8] Michael Hirsh u. John Barry, ‘The Salvador Option’ -- The Pentagon may put Special-Forces-led assassination or kidnapping teams in Iraq, Newsweek, 8.1.2005

[9] „AMS: We Are Now Waging Two Battles: Against 'the Occupation' and Against 'the Terrorists'“ Al-Hayat/ZNet, 26.1.2006

[10] s. J. Guilliard, Doppelte Besatzung, jW, 02.01.2009

[11] J. Guilliard, „Strukturen der irakischen Befreiungsbewegung, junge Welt vom 22.und 24.9.2007

[12] Charles P. Blair, ISIS: The unsurprising surprise that is sweeping Iraq, Bulletin of the Atomic Scientists, 18.6.2014

[13] Arms Airlift to Syria Rebels Expands, With Aid From C.I.A., 25.3.2013

[14] s. z.B. William Engdahl, 'US-trained ISIS militants used to reorganize Middle East', RT, 5.10.2014

[15] Arming Syrian 'Moderate' Fighters Emboldens Islamic State, Huffington Post, 17.9.2014, Joe Biden Is the Only Honest Man in Washington, Foreign Policy, 6.10.2014,

[16] Joe Biden Is the Only Honest Man in Washington, Foreign Policy, 6.10.2014,

[17] Nafeez Ahmed, Follow the Money; Follow the Oil – How the West Created the Islamic State, Counterpunch, 12.9.2014

[18] The terrorists fighting us now? We just finished training them, Washington Post, 18.8.2014, Inside the CIA's Syrian Rebels Vetting Machine, NewsWeek 10.11.2014)

[19] How al-Qaeda Changed the Syrian War, New York Review of Books, 27.12.2013

[20] RebelsÂ’ Fast Strike in Iraq Was Years in the Making, NYT, 14.6.2014

[21] Pedro Rojo PĂ©rez, Un califato de negro future, El Mundo, 11.08.2014

[22] Statement No.1003 on establishment of new 'Islamic caliphate' in Iraq and Syria, AMSI, 01.7.2014

[23] Iraq: Oil Firms Evacuate Staff from Kurdistan as US Launches Airstrikes, International Business Times, 8.8.2014

[24] ‘Geen idee hoe erg het er is’ (‘We have no idea how bad it is'), De Standaard, 13.8.2014
 Questions about the Yazidis on that Iraq Mountain, Peter Van Buren, 13.8.2014

[25] Militants order female genital mutilation in Iraq: U.N., Reuters 24.7.2014

[26] The Islamic State Isn't Circumcising Women and Didn't Steal $400 Million Either, Foreign Policy 24.7.2014, Rumors of Islamic State ordering female genital mutilation in Mosul fake?, RT, 24.7.2014

[27] The Islamic State Isn't Circumcising Women Â… a.a.O.,

[28] How Mosul fell - An Iraqi general disputes Baghdad's story, Reuters, 14.10.214

[29] Juan Cole, Media, Politicians should stop Letting ISIL Manipulate them, Informed Comment, 14.9.2014

20:10 Irak ‒ der endlose Krieg: „Islamischer Staat“, irakischer Aufstand und das... »Joachim Guilliard
Tatsächlich fielen Mosul und viele andere Städte infolge eines, von weiten Teilen der Bevölkerung unterstützten Aufstands. Auch wenn die Initiative von ISIL ausging, der am 6. Juni mit rund 1.500 Kämpfer westliche Vororte Mosuls angriff,[30] waren es überwiegend lokale Widerstandsgruppen und Stammesmilizen, die innerhalb von drei Tagen die Regierungstruppen mit einer nominellen Stärke von 30.000 Mann[31] in die Flucht schlugen. [Die tatsächliche Stärke der Armee dürfte wesentlich geringer gewesen sein, u.a. weil viele Soldaten ihre Vorgesetzen bestechen, um nicht bei der Truppe anwesend sein zu müssen (siehe The ‘Astronaut’ Problem: Iraqi Soldiers Who Pay Money To Officers So They Don’t Fight, niqash, 2.10.2014 und How Mosul fell … a.a.O). Andererseits waren auch noch 10.000 Mann der paramilitärischen Nationalpolizei in Mosul stationiert.]

Die Aufständischen in Mosul gehören zu einer Allianz, die sich unter dem „Allgemeinen militärischen Rat der irakischen Revolutionäre“ (AMRIR) zusammengeschlossen hat. Er war im Sommer 2013 als Reaktion auf die militärische Niederschlagung der Protestkundgebungen gebildet worden und im Januar 2014 mit seinem ersten Kommuniqué offiziell in Erscheinung getreten. Darin hebt er hervor, dass er eine irakisch-patriotische, nicht-konfessionelle Bewegung vertrete, die vor allem von den irakischen Stämmen getragen werde.[32]

In ihm vereint sind regionale und städtische Militärräte, die zum Schutz vor Regierungstruppen gebildet wurden, Stammesräte und arabisch-nationalistische, überwiegend sunnitische Widerstandsgruppen, die bis Ende 2011 gegen die Besatzer gekämpft hatten.[33] Die militärische Führung übernahmen hohe Offiziere der früheren irakischen Armee, die 2003 von den Besatzern aufgelöst wurde.[34]  Die bewaffneten Widerstandsgruppen hatten nach Abzug der US-Truppen ihre bewaffnete Aktionen eingestellt und sich über politische Frontorganisationen der Protestbewegung angeschlossen. Nach den Angriffen der Armee auf die Protestcamps im letzten Jahr griffen sie jedoch erneut zu den Waffen. Unter ihnen sind u.a. die „Islamische Armee“ ‒ trotz des Namens eher nationalistisch als religiös orientiert, die „Brigaden der 1920er Revolution“ und „Patriotische Islamische Nationale Front Iraks“. Diese Front, die laut dem Publizisten und Landeskenner Jürgen Todenhöfer eine führende Rolle bei der Einnahme Mosuls spielte, [35] steht der Baath-Partei nahe, wird Berichten zufolge von General Izzat ad-Duri (bis 2003 zweiter Mann in der Baath-Partei und Oberbefehlshaber der irakischen Streitkräfte) geführt und besteht überwiegend aus der „Armee der Männer vom Naqshbandi Orden“, in deren Reihen auch schiitische und kurdische Mitglieder kämpfen.

[Aufgrund der führenden Rolle der alten Offiziere und der Naqshbandi-Armee werden die Militärräte und der AMRIR von vielen Beobachtern, sofern sie ihn überhaupt zur Kenntnis nehmen, als Front-Organisation der Baath-Partei angesehen.]

Ebenfalls eine zentrale Rolle spielen im AMRIR der „Oberste Militärrat der irakischen Stammesrevolutionäre“ [Higher Military Council of Iraqi Tribal Revolutionaries], einer Koalition von fast 80 sunnitischen Stämmen, organisiert in lokalen und regionalen Militärräten.[36] Diese Stammesräte umfassen vermutlich die meisten Kämpfer.[37] Auf politischer Ebene spielt,wie schon beim Kampf gegen die Besatzung, die Vereinigung der muslimischen Gelehrten im Irak (AMSI) eine führende Rolle. Sie ist die größte Organisation sunnitischer Geistlicher im Land und vertritt 3.000 Moscheen. [Mit ihrem mehrsprachigen Internetportal ist sie eine der wenigen englischsprachigen Quellen für Informationen und Stellungnahmen aus dem Blickwinkel der Aufstandischen.[38] ]

Vom gewaltfreien Protest zum Aufstand

Der Fall von Mosul kam keineswegs so überraschend, wie es den Berichten westlicher Medien zufolge scheint. Er bildet nur den bisherigen Höhepunkt eines Aufstands, der sich als Reaktion auf die militärische Niederschlagung einer breiten Protestbewegung, entwickelt hat.

[Die Proteste hatten sich ab Winter 2012/2013 vor allem in den überwiegend sunnitischen Provinzen ausgebreitet, wo bald Hunderttausende Woche für Woche auf die Straßen gingen, Protestcamps in den Innenstädten errichteten (darunter das „Occupy Falludscha Lager“ [39]) und immer wieder die Fernstraßen nach Jordanien und Saudi -Arabien blockierten.

Auslöser waren Berichte über die Vergewaltigung inhaftierter Frauen durch Sicherheitskräfte und ein erneuter Angriff auf einen hochrangigen sunnitischen Politiker, den Finanzminister Rafia Al-Issawi.[40] Hintergrund war jedoch die sektiererische und repressive Politik des Maliki-Regimes.

Kritik am autoritären Kurs und Zorn über das gleichzeitige völlige Versagen von Regierung und Verwaltung bei der Wiederherstellung der Infrastruktur, staatlichen Dienstleistungen etc. führt im ganzen Land regelmäßigen zu Unruhen. Die mehrheitlich sunnitischen Gebiete sind jedoch doppelt betroffen. Sie bekamen in den letzten Jahren nur sehr geringe Anteile der staatlichen Einnahmen und Sunniten sind nach wie vor von Jobs in staatlichen Instituten und Firmen, die im Irak mit Abstand die meisten Stellen bieten, weitgehend.[41]

Hinzu kommt die politische Repression. Zigtausende Sunniten, darunter auch 4.500 Frauen sitzen aus politischen Gründen in den Gefängnissen und geheimen Kerkern, Folter und Exekutionen sind, wie Berichte von Menschenrechtsorganisation zeigen, an der Tagesordnung.[42]]]

Gewalt gegen zivile Protestbewegung

Die Forderungen der Protestbewegung, die in regionalen Koordinierungsgremien formuliert wurden, reichten von der Entlassung politischer Gefangener, Streichung der »Antiterror«- und »Entbaathifizierungs«-Gesetze, über die Wiederherstellung der Basisversorgung und staatlicher Dienstleistungen bis hin zu einem Ende des auf ethnischen und konfessionellen Grundlagen basierenden politischen Systems.

Maliki reagierte mit gewohnter Härte. Schon in den ersten Tagen wurden mindestens zehn Demonstranten erschossen und über 100 verletzt.[43] Die Protestaktionen, denen sich viele prominente sunnitische Politiker und Stammesführer angeschlossen hatten, blieben dennoch bis Ende April 2013 überwiegend gewaltfrei. Ein einmaliges Angebot an Maliki, die Konflikte politisch zu lösen, so Vertreter der Gruppen, die zuvor bewaffnet gegen die US-Truppen gekämpft hatten, aber keinen innerirakischen Krieg wollten. [44]

Nachdem am 23. April 2013 Malikis Truppen beim Sturm auf ein Protestcamp in Hawidscha bei Kirkuk das Feuer eröffneten, über 50 Demonstranten töteten und 110 verwundeten, griffen viele wieder zu den Waffen.[45]

Der dritte Feldzug gegen Falludscha

Als Malikis Truppen Ende Dezember 2013 das Protestcamp im Zentrum Falludschas stürmten und erneut ein Blutbad anrichteten, ging die Stadtbevölkerung auf die Barrikaden und trieb Armee und Nationalpolizei aus der Stadt. Ein aus Stammesführern, ehemaligen Armee-Offizieren, Geistlichen und andere führenden Persönlichkeiten gebildeter „Militärischer Rat“ übernahm die Kontrolle.

Das weitere Geschehen und die Berichterstattung darüber sind symptomatisch. ISIL-Kämpfer nutzten die Situation, drangen in die Stadt ein und verkündigten mit ihrer üblichen Dreistigkeit, sie hätten nun die Kontrolle über die Stadt übernommen. Bilder von ISIL-Fahnen auf einigen Verwaltungsgebäuden gingen um die Welt. Tatsächlich hingen sie nur wenige Minuten. Die lokalen Kräfte trieben, wie die International Crisis Group (ICG) ermittelte, die Dschihadisten rasch wieder an den Rand der Stadt zurück.[46] Auch in den folgenden Monaten konnte ISIL nur vom Rand der Stadt aus operieren. Dennoch berichten die Medien seither, Falludscha sei in der Hand von ISIL und bekam Bagdad internationale Unterstützung für die folgenden Luft- und Artillerieangriffe auf die angebliche „Terroristen-Hochburg“.

 [Für Maliki war die Entwicklung ein Geschenk des Himmels. Indem er den Kampf um Falludscha als Kampf gegen den Terror bzw. als Kampf gegen Al Qaeda verkaufte, konnte er einen guten Teil der schiitischen Bevölkerung wieder hinter sich scharen, die aufgrund der miserablen Leistung seiner Regierung in Opposition zu ihm gegangen war und, so die ICG, seine in den Keller gegangenen Wahlchancen retten. Außerdem erhielt er auch verstärkt Unterstützung aus dem Ausland.]

Die USA gaben nun Waffenlieferungen frei, die seit langem auf Eis lagen und auch die UN-Mission im Irak stellte sich hinter die Maliki-Regierung, ohne ein einziges Mal mit Vertretern des Militärrates der Stadt zu sprechen. Sie unterstützte die Belagerung Falludschas, obwohl bereits im Januar mindestens 109 Zivilisten durch Artilleriebeschuss getötet und 632 verwundet worden waren.

Die Bürger Falludschas hatten nichts für ISIL übrig, so die ICG in ihMem Report über die Ereignisse, aber die fortwährende Angriffe steigerten Woche für Woche den Hass auf Zentralregierung und Armee, während die militärische Stärke der Dschihadisten half, die Angriffe der Armee immer wieder zurückzuschlagen. Dies wiederum konnte die Regierung zur Rechtfertigung weiterer Angriffe nutzen – ein Teufelskreis, so die ICG, aus dem die Stadt in der Folge nicht mehr heraus kam.

Nach den verheerenden Angriffen der US-Armee im April und November 2004 ist dies nun der dritte Feldzug gegen die Stadt, wie damals unter dem konstruierten Vorwand des Kampfes gegen Al-Qaeda-nahe Gruppen.

Neben Maliki profitierte davon auch ISIL, der durch seine Verdienste bei der Verteidigung Falludschas erstmals seit 2008 wieder eine gewisse Basis im Land aufbauen konnte.

[Der irakische Journalist Mustafa Habib war im August in Fallduscha. Auch sein Bericht ist sehr typisch. Einerseits behauptet er, ISIL habe mittlerweile, nachdem er andere bewaffneten Gruppen zur Abgabe ihrer Waffen gezwungen hätte, die volle Kontrolle. Anderseits kommen später im Text Führer „weniger radikalen Milizen“ zu Wort, die berichten, es sei vor allem der Stärke tribaler Gruppen zu verdanken, dass bisher alle Angriffe der Armee, bis August schon über 70, zurückgeschlagen werden konnten. In geheimen Treffen würden Stammesführer und Kommandanten der verschiedenen bewaffneten Gruppierungen beraten, wie sie ISIL aus der Stadt drängen können.[47]]

Wiederbelebung des bewaffneten Widerstands

Die Bomben auf Falludscha schürten die Wut innerhalb der gesamten sunnitischen Bevölkerung. Massive Luftangriffe auf Wohnviertel und das Zentralkrankenhaus in Falludscha im Mai dürften das Fass zum Überlaufen gebracht haben. In Ramadi hatte das Gros der Stämme anfänglich die Präsenz von ISIL in der Stadt und seiner Umgebung aktiv bekämpft. Von nun an wurde er auch für sie, wie wohl für die meisten Sunniten gegenüber dem Maliki-Regime zum kleineren Übel. [Auch ein Teil der ehemaligen „Sahwa-„Führer schloss sich nun dem Kampf gegen das Regime in Bagdad an. „In der Vergangenheit haben wir gegen al-Qaida gekämpft und wir haben die Gegend von ihnen befreit“, so beispielsweise Scheich Ali Hatem Suleiman, Chef des größten irakischen Stammes. „Doch dann übertrugen die Amerikaner die Kontrolle über den Irak an Maliki und der fing an, jene Stammesführer, die den Kampf gegen al-Qaida angeführt hatten, zu inhaftieren, zu töten oder ins Exil zu treiben.“ [48] ]

Machtverhältnisse im Aufstandsgebiet

Auch westliche Medien mussten feststellen, dass weite Teile der Bevölkerung die Vertreibung der Regierungskräfte aus Mosul und anderen Städten als Befreiung feierten[49] und der größte Teil der Flüchtlinge nicht vor islamistischen Kämpfern floh, sondern aus Angst vor Gegenangriffen der Regierung.[50] „Wir erhielten Mitteilungen von den Aufständischen, in denen sie versicherten, dass niemandem Leid geschehe und alle Minderheiten durch sie geschützt würden“, teilte Ali Aziz, Mitarbeiter einer humanitären Organisation, dem Guardian mit. „Sie waren wirklich willkommen und wir sind überglücklich, sie, statt den blutigen, brutalen Kräften Malikis hier zu haben.“ Sympathien für ISIL hätten die Bürger Mosuls so wenig wie für Maliki, so die befragten Stadtbewohner, Sie fühlten sich nun aber befreit von einem schrecklichen Alptraum, der sie 11 Jahre lang erstickte. „Die Armee und Polizei hatten nie aufgehört, Leute zu verhaften, einzusperren und zu töten, ganz zu schweigen von Bestechungsgeldern, die sie von den Familien der Gefangenen erpressten.“ [51]

Begrüßt wurde den Berichten zufolge vor allem der Wegfall der unzähligen Checkpoints und Straßensperren, die Kämpfer unmittelbar nach ihrem Einmarsch mittels Kränen entfernt hatten ‒ ein deutliches Indiz dafür, dass sich die Kämpfer, im Unterschied zur Armee, die eher als Besatzungsmacht fungierte, sicher fühlten. Nun könnten sich alle Zivilisten wieder frei bewegen. Wege, für die man zuvor ein bis zwei Stunden benötigte, schaffe man jetzt wieder in 15 Minuten, so ein Arzt der Stadt.[52]

Der Aufstand weitete sich in den folgenden Monaten noch erheblich aus. Der größte Teil von Ninive, Salah ad-Din und Anbar im Norden und Westen des Landes, weite Teile von Kirkuk und einige Gebiete in Diyala und Babylon – nordöstlich bzw. südlich von Bagdad sind unter der Kontrolle von ISIL und aufständischen Gruppen. Die Lage in den irakischen Gebieten, die auf den Karten westlicher Experten als „ISIS-kontrolliert“ gekennzeichnet sind, ist jedoch sehr unübersichtlich. Auch die wahre Stärke der aufständischen lokalen Gruppen sowie die Machtverteilung und das Ausmaß an Kooperation zwischen ihnen und ISIL sind schwer einzuschätzen.

Sprecher von AMRIR und Vertreter der zugehörigen Organisation behaupten beharrlich, die meisten der eroberten Städte und Gebiete würden von „Revolutionären“, also von Gruppen ihrer Allianz kontrolliert.[53] [Auch Iraks Großmufti Rafi Al-Rifa’i, die höchste sunnitische Autorität des Landes, charakterisierte das Geschehen als eine „Revolution des Volkes“ und erklärte, die Zentralregierung würde die Präsenz und die Bedrohung durch ISIL stark übertreiben. Die Miliz kontrolliere keineswegs die ganze Arena und was sie tue, habe nichts mit einem Staat zu tun. Gleichzeitig verurteilte er die Zerstörung von schiitischen Heiligtümern in Mosul durch ISIL, für die die Revolutionäre nicht verantwortlich seien. [54]]

Vieles deutet tatsächlich daraufhin, dass die gefürchteten Dschihadisten auch an anderen Orten zwar, wie in Mosul, die Offensive starteten, selten jedoch die alleinige Kontrolle übernehmen konnten, sondern diese meist mit den in den örtlichen Militär- und Stammesräten zusammengeschlossenen Kräfte teilen oder ihnen ganz überlassen mussten. In der Tat gebe es unter den von Aufständischen kontrollierten Gebieten in und um Mosul, Kirkuk und Tikrit definitiv einige, wo die „Naqshbandis die Hosen anhaben“, so Michael Knights, Analyst am Washington Institute for Near East Policy, mit der verbreiteten Gleichsetzung von AMRIR und der baath-nahen Naqshbandi-Armee.[55]

ISIL habe seine „Hauptstreitmacht“ aus der Provinzhauptstadt Mosul abgezogen, um weiter südlich, bei Tikrit anzugreifen, berichteten Mitte Juli der Guardian, gestützt auf Aussagen des bisherigen Gouverneurs der Provinz, Athil Nudschaifi, und anderen Quellen aus der Stadt. Ein kleiner Teil sei im westlichen Teil, am rechten Ufer des Euphrats verblieben, der Ostteil Mosuls sei jedoch weitgehend unter Kontrolle der Naqshbandi-Armee, die die ISIL-Flaggen durch ihre eigene ersetzt habe.[56]

[Schon wenige Tage nach dem die Regierungstruppen die Stadt aufgegeben hatten, waren Aussagen von Stadtbewohnern zufolge keine auswärtigen Kämpfer mehr zu sehen gewesen. Iraker, überwiegend aus Mosul und meist ehemalige Mitglieder von Saddam Husseins „Republikanischer Garde“, hätten die Kontrolle übernommen. [57]

Für die Dominanz des AMRIR spricht auch, dass mit Azhar al-Obeidi ein ehemaliger General der irakischen Armee als neuer Gouverneur eingesetzt wurde, der unter Saddam Hussein schon das Amt innehatte. Ähnlich wird auch das Geschehen in Tikrit beschrieben, wo Zeugen vor allem Kämpfer der Naqshbandi Armee beobachtet haben und mit Ahmed Abdul Rashid ebenfalls ein ehemaliger Baath-Funktionär Gouverneur von Salad ad-Din wurde ‒ beide kaum kompatibel mit der Vision der Dschihadisten.[58] ]]

Pakt mit dem Teufel?

Während Bagdad seinen Gegner als enge Allianz zwischen ISIL und „baathistischen Kräften“ beschreibt, verneinen die meisten oppositionellen Gruppen eine direkte Zusammenarbeit mit ISIL und sprechen von parallelen, aber unkoordinierten Angriffen auf denselben Feind. [Dies ist durchaus glaubhaft. Insbesondere ein Bündnis zwischen links-nationalistischen säkularen Baathisten und den Dschihadisten, die sie als gottlose Abtrünnige betrachten, ist extrem unwahrscheinlich. Auch eine direkte Kooperation zwischen ISIL und Islamischer Armee oder den 1920er Revolutionsbrigaden ist angesichts der früheren blutigen Kämpfe zwischen ihnen und dem Vorgänger von ISIL schwer vorstellbar. ]

„Auch wenn verschiedene Arten von Gewehren auf die Zentralregierung gerichtet sind, so bedeutet dies keineswegs, dass es irgendeine Koordination oder Kooperation gibt“ entgegnete der offizielle Sprecher des AMRIR, General Mizher Al Qaissi, auf die Frage von Al Jazeera nach einer Kooperation mit ISIL. „Einige Gruppen haben vielleicht das gleiche Ziel und dieses deckt sich mit unserem Timing, aber wir machen unsere Pläne und führen Belagerungen durch, während diese anderen Gruppen ihre eigenen Pläne und Agenden haben mögen.“ [59]

Khudair al-Murshidi, Sprecher der irakischen Baath-Partei und Generalsekretär der Patriotischen Islamischen Nationalen Front Iraks, dementierte ebenfalls Berichte über eine Allianz der Baath-Partei und ihr nahestehenden Gruppen mit den Dschihadisten und bezeichnete sie, als “eine extreme, terroristische Bewegung. Die „befreiten Städte“ würden von Rebellen kontrolliert und über lokale, neu gebildete Räte verwaltet. [60]

„Wir haben Angst vor ihnen. Sie sind ein Problem. Aber wir müssen Prioritäten setzen“, so AMSI-Sprecher Scheich Baschar al-Faidhi. „Wir werden ISIL bekämpfen. Nur nicht jetzt,“ versichert der Stammesführer.  „Wir kämpfen gegen ein Regime, das von den USA, Iran und selbst Russland gestützt wird“, erläutert Faidhi weiter. „Der Widerstand hat nur wenige Arme und Beine. Sie kämpfen auch gegen meine Feinde. Also warum sollte ich [jetzt] gegen sie kämpfen?“

Stärke heruntergespielt

Offensichtlich ist ISIL jedoch wesentlich stärker und sein Herrschaftsbereich größer, als es die aufständischen Gruppen glauben machen wollen. Auch in Mosul ist seine Präsenz offenbar stark genug, um Bevölkerungsgruppen, wie die Christen, zu terrorisieren. Diese waren von ISIL vor die Wahl gestellt worden, sich dem Dhimma, dem alten Schutzabkommen für Angehörige anderer Religionen unter islamischer Herrschaft zu unterwerfen, inklusive Bezahlung der früher obligatorischen Kopfsteuer, „Dschizya“, oder zum Islam zu konvertieren. Andernfalls bliebe „ihnen nur noch das Schwert.“ [61]

Die anderen Gruppierungen verurteilen zwar dieses und andere verbrecherische Vorgehen,[62] wollten oder konnten dem aber nichts entgegensetzen, da dies die vollständige Vertreibung der ISIL-Einheiten aus Mosul und damit die direkte Konfrontation erfordert hätte.

Mit dem Erfolg erhielt ISIL auch erheblichen Zulauf, nicht zuletzt aus dem Ausland. Ging man in Washington im Juli noch von rund 10.000 Kämpfer aus, schraubte die CIA ihre Schätzung im September auf 20.000 bis 32.000 in beiden Ländern hoch.[63]. Inwiefern dies realistisch ist, ist schwer zu sagen, mit Sicherheit nahm die militärische Schlagkraft seiner Verbände erheblich zu und gleichzeitig auch der Teil des Territoriums, das unter seiner Kontrolle steht.

Anfangs noch zurückhaltend, ist ISIL vielerorts nun auch dabei, der sunnitischen Bevölkerung seine mittelalterlichen salafistischen Regeln aufzuzwingen. Massive Konfrontationen zwischen ihm und den Widerstandsgruppen sind daher nur eine Frage der Zeit. Erste Zusammenstöße gab es bereits im Frühjahr, im Sommer nahmen sie erheblich zu, als ISIL an einigen Orten versuchte, sie unter seine Führung zu zwingen.[64] Die „Mudschaheddin Armee“, während der Besatzung eine der größten Widerstandsgruppen, musste sich z.B. nach schweren Kämpfen aus der Stadt al-Karma in Anbar zurückziehen.

ISIL ist wesentlich besser ausgerüstet, verfügt über bessere Ressourcen und ist durch seine Brutalität und Rücksichtslosigkeit militärisch effektiver, die aufständischen Stämme und Gruppen verfügen jedoch über wesentlich mehr Kämpfer und sind fest in der Bevölkerung verankert. Die Stärke von Widerstandsgruppen, wie der Islamischen Armee oder den Naqshbandis ist naturgemäß schwer zu schätzen. Diese beruht nicht allein auf der Zahl der „Vollzeitkämpfer“, die vielleicht nur bei mehreren Tausend liegt, sondern in der Fähigkeit rasch eine erhebliche Zahl von örtlichen Mitstreitern zu mobilisieren. [Die islamische Armee hatte einst mehr als 10.000 Kämpfer. Die Naqshbandi wurde 2013 auf 5.000 Kämpfer geschätzt.[65]]

Vertreter des AMRIR schätzen die Zahl der ihm angeschlossenen Kämpfer auf 75.000. Die meisten befinden sich in Anbar, Salah al-Din und Ninive, zugehörige Gruppen gibt es jedoch auch in den Provinzen Tamim (Kirkuk) und Dyala nördlich von Bagdad, in der Umgebung der Hauptstadt selbst und in den südlichen Provinzen Karbala, Dhi Qar und Maysan.

[Die im AMRIR zusammengeschlossenen Kräfte bemühen sich auch um Unterstützung aus dem schiitischen Süden Iraks gegen das Regime in Bagdad, angesichts der großen Zahl früherer Baath-Mitglieder dort durchaus nicht ohne Erfolgsaussicht. Der zweithöchste Kommandeur sei ein Schiit aus dem Süden und es gebe enge Kontakte zu schiitischen Stämmen in Basra, Dhi Qar and Maysan, die ebenso erbittert über das Regime seien, wie sie, so die AMRIR- Vertreter.[66]]

Auch wenn der Aufstand vorwiegend von Sunniten getragen wird und sich gegen die schiitisch dominierte Regierung richtet, handelt es sich keineswegs um einen konfessionellen Konflikt. Zu Beginn gab es sogar sehr breite Unterstützung aus dem Süden. Schiitische Stämme und Organisationen, darunter die Bewegung des prominenten Geistlichen Muktada al-Sadr solidarisierten sich mit der Protestbewegung im Norden. Das änderte sich erst als ISIL auf den Plan trat und die sunnitischen Gruppen sich nicht eindeutig von ihm distanzierten. Doch auch noch im Juli warb mit Ayatollah Mahmoud Al-Hassani Al-Sarkhi ein führender schiitischer Geistlicher um Unterstützung für den Aufstand der Sunniten, da diese unterdrückt würden.[67]

Anderseits sind die Aufständischen natürlich politisch sehr heterogen. Das Spektrum reicht von sozial fortschrittlichen bis religiös-konservativen Kräften. Stärker als ihre Gegnerschaft zu den USA ist bei vielen die Feindschaft zum Iran ausgeprägt. Folgerichtig unterstützen die meisten auch den Aufstand in Syrien gegen die Assad-Regierung. Viele erhalten auch Unterstützung aus dem Ausland, insbesondere aus den benachbarten Golfstaaten, die so ‒ vor allem über Stammesführer ‒ Einfluss auf das Geschehen im Irak nehmen können.

„Amman Konferenz zur Rettung Iraks“

Nach einem ersten Treffen in Irbil, der Hauptstadt der kurdischen autonomen Region[68] kamen die aufständischen Kräfte Mitte Juli zu einem mehrtätigen Treffen in Amman zusammen, um sich auf ein einheitliches Vorgehen zu einigen. Die auf dieser „Amman Konferenz zur Rettung Iraks“ von über 200 Vertretern oppositioneller Gruppen und Stammesführern vereinbarte Koalition umfasst laut Jordan Times den größten Teil der Stammes- und Rebellentruppen im Irak. ISIL wurde nicht eingeladen und ist außen vor. Obwohl arabische Medien breit über die Konferenz und die massive Verärgerung Bagdads über ihre Duldung durch Jordanien, die zur Abberufung des irakischen Botschafters führte, berichteten, war es westlichen Agenturen keine Meldung wert.

In ihrer Abschlusserklärung fordern die Konferenzteilnehmer die internationale Gemeinschaft auf, der legitimen Rebellion, deren Ziel es sei, den Irak und die Region vor einer unsicheren Zukunft und nachteiligen Folgen zu schützen, die nötige Unterstützung zu geben.[69]

Die oppositionelle Allianz fordert die Abschaffung der „Antiterrorgesetze“, die Freilassung politischer Gefangener und die Aufnahme von Änderungen in die Verfassung, durch die den „sektiererischen Regierungen“ ein Ende gesetzt werde. Keine Einigung konnte offenbar über die künftige Beziehung zu ISIL erzielt werden. Während die meisten zumindest auf Distanz bleiben, wenn nicht aktiv seinen Einfluss begrenzen wollten,  drängten einige einflussreiche Stammesführer darauf, die Beziehungen zu den ungeliebten Dschihadisten auszubauen, da diese über besseren Nachschub an Geld und Waffen verfügten als sie.[70]

US-Luftangriffe auch gegen sunnitische Opposition

Während den westlichen Medien zufolge die Provinz Anbar im Oktober fast vollständig unter die Herrschaft ISILs fiel, hieß es auf dem Internetportal von AMSI „Revolutionäre“ hätten „die Kontrolle über den Großteil des Territorium von Anbar übernommen.“ [71] Berichte aus der Provinzhauptstadt Ramadi legen nahe, dass es nach wie vor weniger Angriffe von außen sind, die die Regierungskräfte in die Flucht schlagen, als lokale Aufständische. So zog sich die Armee am 5. Oktober kampflos aus dem Stadtgebiet Ramadis in eine Basis außerhalb der Stadt zurück. Anwohner erzählten arabischen Journalisten, die Stadt sei danach praktisch frei von Polizei und Regierungstruppen gewesen und lokale aufständische Gruppen hätten die Kontrolle übernommen. Das gleiche Bild zeigt sich auch in anderen Städten von Anbar.[72]

Folgerichtig werden die Luftangriffe der Nato-Staaten von der sunnitischen Opposition als Angriff auf sich selbst begriffen. Das Land durchlaufe entscheidende Tage und sei mit einem neuen blutigen Krieg konfrontiert, der Jahre dauern und alle Fähigkeiten der irakischen Bevölkerung erfordern werde, heißt es in einer Erklärung des AMRIR vom 20. September zur Wiederaufnahme der Kriegshandlungen durch die USA. Die US-amerikanische Strategie beruhe auf Luftangriffen und Bodentruppen zur Unterstützung einer konfessionell-sektiererischen Armee, begleitet von einer Mobilisierung schiitischer Milizen, die von iranischen Al Quds Einheiten unterstützt würden. [73]
 


[30] How Mosul fell - An Iraqi general disputes Baghdad's story, Reuters, 14.10.214, Hassan Hassan, More Than ISIS, IraqÂ’s Sunni Insurgency, Sada, Carnegie Endowment for International Peace, Rainer Hermann, Die Sunniten vereinen sich zum Aufstand gegen Bagdad, F.A.Z., 14.06.2014

[31] Die tatsächliche Stärke der Armee dürfte wesentlich geringer gewesen sein, da viele Soldaten ihre Vorgesetzen bestechen um nicht bei der Truppe sein zu müssen (siehe The ‘Astronaut’ Problem: Iraqi Soldiers Who Pay Money To Officers So They Don’t Fight, niqash, 2.10.2014 und How Mosul fell … a.a.O) Dafür waren noch 10.000 Mann der paramilitärischen National Polizei in Mosul stationiert.

[32] Communiqué No. 1 - General Military Council for Iraqi Revolutionaries, Brussels Tribunal, 15.1.2014

[33] The Tribal Component of IraqÂ’s Sunni Rebellion: The General Military Council for Iraqi Revolutionaries, Jamestown Foundation, Terrorism Monitor Volume: 12 Issue: 13, 26.6.2014

[34] IraqÂ’s Sunni tribal leaders say fight for Fallujah is part of a revolution, Washington Post, 12.3.2014

[35] Jürgen Todenhöfer, Terrororganisation ISIS „Nur scheinbar die größte Rolle“, Kölner Stadt-Anzeiger, 15.06.2014

[36] Hassan Hassan, More Than ISIS, Iraq’s Sunni Insurgency, Sada, Carnegie Endowment for International Peace, Birgit Cerha, „ISIS hat unsere Revolution gestohlen“ – Nur der Hass auf Iraks Premier Maliki eint eine breite Front militanter arabischer Sunniten, IFAMO, 27.6.2014

 17.6.2014, Mosul crisis and the Tribal Revolutionary Military Councils, Journal of Turkish Weekly, 24 June 2014, Jessica T. Mathews, Iraq Illusions, ISIS is only one of an almost uncountable mélange of Sunni militant groups, New York Review of Books, 14.8.2014

[37] We Won't Be Your Trojan Horse: Sunni Muslim Militias Decide They Won't Fight With IS - or The US Alliance, Niqash, 16.10.2014

[38] www.heyetnet.org/en

[39] Victoria Fontan, Occupy Fallujah – The Other Occupy Movement, Counterpunch, 24.72013, Victoria Fontan, ISIS, the Slow Insurgency, 13.6.2014

[40] Joachim Guilliard, Jahresrückblick Irak: Wo der Terror regiert – Das Erbe der Besatzer: blutige Repression und eskalierende konfessionelle Gewalt, junge Welt 28.12.2013

[41] Juan Cole: Mass Sunni Uprising Forces Iraq to Confront Sectarian Blowback of 2003 U.S. Invasion, Democracy Now, 18.6.2014

[42] Report 2013,  Human Rights Watch, Iraq: Security Forces Abusing Women in Detention, Human Rights Watch, 26.2.2014, Human Rights Watch condemns situation in Iraq, Al-Monitor, 7.2.2014

[43] Haifa Zangana, Fallujah Revisited, Counterpunch, 31.01.2013

Support Iraqi Protests Against the Second Face of the Occupation, IAON, 12.1.2013
Anbar Protests Continue Amid Rumors of Foreign Support, Al-Monitor, 8.2.2013

[44] Make or Break: Iraq’s Sunnis and the State, International Crisis Group, Middle East Report N°144, 14.8.2013

[45] 1920s Revolution Brigades was hoping for some kind of advancement of Sunni Arab interests through working within the system, declaring in a statement on the Hawija massacre in April 2013: "We affirmed previously that we respect the choice of our people [i.e. the Sunnis] in these protest squares to demonstrate peacefully." In the aftermath of this incident, the group also affirmed the right to engage in 'self-defense,' declaring that "we are today in a state of defending ourselves and our people." - Aymenn Jawad Al-Tamimi, Iraq Insurgent Profiles - The 1920s Revolution Brigades, aymennjawad.org, 14.7.2014

[46] Iraq: Falluja's Faustian Bargain, International Crisis Group, Middle East Report N°150, 28.4.2014,
Dahr Jamail, Iraqi Government Killing Civilians in Fallujah, Truthout, 3.3.2014

[47] Mustafa Habib, Inside Fallujah: Crowded Cemeteries, Flattened Buildings And Potential Revolution, Niqash, 28.08.2014

[48] IS-Terror: Gleichzeitig mit und gegen Assad kämpfen, Hamburger Abendblatt, 11.09.2014

[49] Inside Mosul: Why Iraqis are Celebrating Islamic ExtremistsÂ’ Takeover of their City, Niqash, 12.6.2014

[50] Only days after Mosul fell, Iraqis start returning, AP, 15.6.2014

[51] Iraq army capitulates to Isis militants in four cities, The Guardian, 12.6.2014

[52] ISIS seen as liberators by some Sunnis in Mosul, Al-Monitor, 11.6.2014

[53] Interview with Maj. Gen. Mizher Al Qaissi's, Official Spokesman for The General Military Council for Iraqi Revolutionaries, Al Jazeera, 24.6.2014, Iraq Witnessing a Popular Revolution, Al-Faidhi Says, AMSI, 17.6.2014

[54] Iraq Grand Mufti Rafi Al-Rifa’i: “Popular revolution” heading to Baghdad -- Highest Sunni authority in Iraq calls on people to "rise up" against Maliki, Asharq Al-Awsat, 25.6.2014

[55] Uneasy Alliance Gives Insurgents an Edge in Iraq, NYT, 18.6.2014

[56] New militant group replacing Isis in Mosul, says city governor, The Guardian, 18.7.2014

[57] Iraq  ISIL takeover or anti-Maliki uprising, Middle East Eye, 17.6.2014

[58] Maliki asks for US help as ISIS expands in Iraq, Al-Monitor, 13.6.2014

[59] Translation of Maj. Gen. Mizher Al Qaissi's Video with Al Jazeera, Al Jazeera, 24.6.2014

[60] Baath spokesman denies alliance with Islamic State, Tribal rebels are controlling and managing the liberated cities, and governing the affairs of the people through local councils that were formed for this purpose, Al-Monitor, 15.7.2014

[61] Die Dschizya war das Pendant zu der von Muslimen zu errichtenden Steuer, der „Zakat“. In der von ISIL kontrollierten syrischen Stadt Raqqa, in der die Dschihadisten im Februar ihre mittelalterliche Regeln gewaltsam durchzusetzten suchten, akzeptierte die christliche Gemeinde schließlich ein solcher „Schutzabkommen“ und die Zahlung entsprechender Gelder ‒ laut Haaretz je nach Einkommen zwischen 250 bis 1000 Dollar pro Jahr. In Mosul verweigerten die Kirchenführer ein Treffen mit ISIL, der daraufhin ein Ultimatum setzte. Ein großer Teil der Christen floh daraufhin aus der Stadt.

[62] "Naqshbandi" Organization announces its refusal for ISIS displacement of Christians in Mosul, Shafaq News, 22.7.2014

[63] Islamic State Rebuilds Its Manpower In Iraq And Syria, Musings On Iraq, 15.9.2014

[64] In Fighting Between Islamic State And Other Armed Factions Increases In Iraq’s Diyala, Musings On Iraq, 5.8.2014, Jaysh al-Mujahideen Iraq Statements: Clashes with the Islamic State: Translation and Analysis,  Aymenn Jawad Al-Tamimi, 26.8.2014

[65] Izzat Ibrahim al-Douri: the King of Clubs is back, and he may yet prove to be Saddam Hussein's trump card, Telegraph, 18.5.2013

[66] The Tribal Component of IraqÂ’s Sunni Rebellion: The General Military Council for Iraqi Revolutionaries, Jamestown Foundation, Terrorism Monitor Volume: 12 Issue: 13, 26.6.2014

[67] Iraqi Shia cleric declares support for Sunni uprising, 5Pillarz, 4.7.2014, Prominent Shia cleric supports Sunni uprising, Middle East Monitor, 10.7.2014
Sarkhi hat Hunderte Anhänger in Baghdad, seine stärkste Basis ist aber in Basra und hier vor allem in Arbeitervierteln. (Clashes in Karbala with supporters of Sheikh al-Sarkhi leave behind many questions, Al Akhbar, 3.7.2014

[68] Baghdad seethes as Erbil hosts revolutionary tribal conference, Al-Monitor, 28.7.2014

[69] Amman Conference Closing Statement, Brussells Tribunal, 18.8.2014

[70] Amman conference to save Iraq, Iraqi opposition, tribes launch new coalition from Amman, Jordan Times, 19.07.2014

[71] Revolutionaries manage to control most of Anbar territory, AMSI, Iraq News Summary, 5.10.2014.

[72] Update On Security In IraqÂ’s Anbar Provincem, Musings On Iraq, 15.10.2014

[73] Aymenn Jawad Al-Tamimi, General Military Council for Iraq's Revolutionaries: 20 September Statement: Translation and Analysis, Sep 24, 2014 at 9:47 pm
17:28 Two books you should check out »Thoughts On Translation
If you’re looking for a last-minute gift for your favorite translator, or if you’re looking for some winter break reading for yourself, I’ve got two recommendations for you (and of course, feel free to add your own book recommendations in the comments!). One is The Green and the Red, a French novel written by Armand […]
16:17 20 (or so) questions on how Elena (@linguamost) works »Adventures in Freelance Translation
How I work seriesThis series of posts was inspired by Lifehacker’s How I Work series, which I thoroughly enjoy. It’s about time we discover how our colleagues work and get to know them a little better.
15:43 Reaching Your Target Market With Holiday Advertising: More Than Just Translation »Translation Speak: Thoughts on Language Access
This is the time of the year when companies tend to put out some of their best advertisements. Consumers are making purchases for the holiday season, and each company is vying for the business. Not only is the holiday season … Continue reading
12:45 Olon »Dolmetscher-Berlin
Bienvenue und herzlich willkommen beim ersten Weblog Deutschlands aus dem Inneren der Dolmetscherkabine! Hier schreibt eine Übersetzerin und Dol­met­scher­in, deren zweite Hauptarbeitssprache Französisch ist.

Anrufbeantworter kommen heute fast nur noch in Filmen vor. Wir erfahren über die Ton­spur et­was über die privaten Verhältnisse einer Hauptfigur, während die Kamera wie eine Droh­ne in langsamen Bewegungen das Interieur überfliegt. Oder es findet sich der zentrale Hinweis auf den Mörder in dieser zur Abhörzentrale um­funk­ti­o­nier­ten Holzwerkstatt, in der die Glut des Kaminfeuers noch von einem in­zwi­schen abwesenden Gast kündet und wo ein alter, verdreckter, riesengroßer An­ruf­be­ant­wor­ter den Kontrast zwischen High-Tech-Ambiente und Holzwerkzeugen ironisch zu kommentieren scheint.

Der dritte Gedanke war richtig
Neuerdings gibt es Anrufer im Computer. Auch sie helfen uns, Din­ge zu erfahren, aber die Sache ist doch ver­track­ter. Ein Beispiel.
Gerade hatte ich eine kurze Mail im elek­tro­ni­schen Post­fach, in der im Grun­de nur Name und Ar­beit­ge­ber des Absenders zu lesen wa­ren, ein Sender, sowie eine Stan­dard­zei­le über einen ver­geb­lich erfolgten An­ruf­ver­such.

Dann gab es noch eine gesprochene Wortnachricht in der Mail: Eine Tonspur, die ich anklicken durfte, informierte mich ĂĽber den Anlass der Mail.

Und hier erfuhr ich also, dass es Aufzeichnungen einer Rede oder ein Interview mit "Olong" geben würde, ich möge bitteschon in den Sender kommmen, abhören und übersetzen. Ich bin ein wenig irritiert. Seit wann kann Olong-Tee sprechen? Oder vielleicht ist das das Thema ... aber ich spreche doch gar kein Chinsisch!

Ich höre weiter. Einige Sätze später sagt der Sprecher dann "Olann". Ich kenne ei­nen Berg, der so heißt, l'Olan, er liegt in den Hochalpen, kann aber auch nicht ge­meint sein.

Welcher Sender ruft nochmal an? Ich höre auf Untertöne in der deutschen Aus­spra­che. Der Sprecher ist in den 50-ern und klingt noch ganz fein und nur für Ken­ner­oh­ren erkennbar nach Ost-Berlin. Ach, Hollande ist gemeint!

Soviel zum Thema Kontext. Hätte ich die Mailkennung aufmerksamer gelesen, wä­re mir aufgefallen, dass es um eine Politikredaktion geht. Hätte ein Hinweis auf die Eröffnung eines Pariser Museums im Text gestanden, ich hätte mir infolge der Zei­tungs­lek­tü­re meinen Teil schon zusammengereimt. Die Webseite des Elysée-Palasts lie­fert zur Vorbereitung Rede in Text- und Filmform: Die Franzosen haben seit sieben Jahren ein Nationalmuseum zur Geschichte der Einwanderung, das allerdings erst jetzt offiziell eröffnet wurde.

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Foto: C.E.
12:11 Baffler Note No. 97 »German Joys
I found this notecard on the sidewalk a few weeks ago and have been puzzling over it ever since. I recognize a few words in the body and the sentence at the end ("Alles nur eine Frage der Form?") but...
05:19 “Unschärfe in der Sprache bedeutet Unschärfe im Denken” – Susanne Göpferich erneut zur GAL-Präsidentin gewählt »uepo.de - Das Nachrichtenportal fĂĽr Ăśbersetzer
Prof. Dr. Susanne Göpferich, Professorin fĂĽr Angewandte Linguistik am Institut fĂĽr Anglistik der Justus-Liebig-Universität GieĂźen (JLU), steht fĂĽr eine weitere zweijährige Amtszeit an der Spitze der mitgliederstärksten deutschen sprachwissenschaftlichen Fachgesellschaft. Seit 2013 als erste Frau mit dem Vorsitz der Gesellschaft fĂĽr Angewandte Linguistik (GAL) betraut, wurde sie auf dem derzeit … Weiter lesen
03:49 The Political Economy of Austerity Now »The Economic Crisis

Monday December 15, 2014

20:59 Off-topic: chocolate truffles you can make for the holidays »Thoughts On Translation
I’m in the mood to think about things other than work, so here’s a recipe for chocolate truffles that anyone with reasonable culinary skills can make. For this I consulted my friend and colleague Marianne Reiner who’s an incredible cook and also French (double truffle cred), and a friend who went to cooking school in […]
19:46 Weekly translation favorites (Dec 5-11) »Adventures in Freelance Translation
Greek translatorWeekly series of posts based on our favorite tweeted content over the past week. Topics: translation, interpreting, languages, freelancing and business.
19:36 Global Capitalism: December 2014 Monthly Update »The Economic Crisis
19:03 Economic Update: Mainstream vs Critical Economics »The Economic Crisis
18:58 Understanding English-Language Idioms »Translation Blog
Idioms are one of the most interesting yet curious aspects of language due to their often comical references which may actually have absolutely nothing to do with their real meaning. However, we often don’t realize how odd most idioms actually are until we begin learning a foreign language and are confronted by this new language’s […]
17:12 American Moral Panics Then and Now »German Joys
So, the comments are in (thanks!), and the consensus seems to be that there's no special focus on campus sexual assault in Germany because (1) Most German universities don't have traditional campuses or an insular 'campus culture' like American universities;...
17:10 Monday smile – Email disclaimers »Translation & the law: From words to deeds
Here we are with another week. How do you feel about those email disclaimers that are appearing more and more …

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13:28 Wir verlosen ein Ticket fĂĽr die TactixX in MĂĽnchen »Die Internetkapitäne
Bereits zum neunten Mal in Folge findet am 24. März 2015 in MĂĽnchen die TactixX statt.  Das Konzept hat sich ein wenig geändert, erstmals werden die beiden Disziplinen Affiliate Marketing und Display Advertising miteinander verknĂĽpft. Die neue TactixX ist damit die erste auf Affiliate Marketing + Display Advertising spezialisierte Veranstaltung in Deutschland. Dem Zusammenwachsen beider […]
13:12 “Immer im Schatten”: Andrew Sims, Sprachendienstleiter im Bundesministerium fĂĽr Wirtschaft und Energie »uepo.de - Das Nachrichtenportal fĂĽr Ăśbersetzer
Andrew Sims ist Leiter des Sprachendienstes im Bundesministerium fĂĽr Wirtschaft und Energie. Die dpa porträtiert ihn in einem Artikel, der im Handelsblatt erschienen ist. Die Ăśberschrift lautet: „Zwischen Nachrotten und Gärresten – Gabriels EEG-Ăśbersetzer“. 1988 sei der Brite der erste ausländische Dolmetscher in der Bundesregierung und auch der erste gewesen, … Weiter lesen
10:29 Jahresendjobs »Dolmetscher-Berlin
Willkommen, bienvenue & hello beim ersten deutschen Weblog aus dem Inneren der Dolmetscherkabine. Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Überall bricht langsam eine bräsige Ruhe aus, die Wochen andauern. Überall? In einem kleinen Büro in Berlin ist das nicht so.

Die Textweberei ist noch in vollem Gange. Und vermutlich werde ich zwischen den Jahren, wenn mein Blog in die Winterpause geht, weiter ĂĽbersetzen.

Eine spannende Anfrage hatte mich für die letzten Tage ereilt, Wochenendzuschlag inklusive: Ich durfte eine längere Reportage aus einer Zwischensprache in gutes Deutsch bringen. Das Originalbuch war auf Englisch geschrieben worden, die Erst­über­setzerin ist eine Deutsche, die schon lange in den USA lebt. Entsprechend bi­zarr hat an manchen Stellen die erste Fassung angemutet. Perfektes Denglish war das. Es ging nicht selten mit Verarmung der Sprache einher, denn nicht alles, was an Ideen hinter einem bestimmten Begriff stand, kam in der Zielsprache auch nur halbwegs an.

Beispiel: der Job. Hierzulande wird der Begriff immer häufiger dann verwendet, wenn jemandem das Wort "Beruf" zu altbacken vorkommt. Aber sind die Wörter wirklich Synonyme? Schnitt: Wir sitzen auf dem Spielplatz im Herzen New Yorks, eine Freundin und ich, Spielplätze gibt's hier nicht so viele, entsprechend groß ist das Gedränge. Der Filius "meiner" New Yorkerin hat sich gerade mit einem Kind um Sandkastenfläche und Schippe gestritten.

Am Ende weinen beide. Der eine Mini, unsere Seite, lässt sich gerade noch fer­tig­trösten, die Gegenseite ist schon wieder im Sand. Schaut rüber. Hier gibt es Kekse. Meine Freundin schickt ihren kleinen Rabauken los, einen Versöhnungskeks an­zu­bie­ten. Was dieser tut. Gebäck wird angenommen, friedliches Weiterspiel deutet sich an. Good job ruft die amerikanische Mutter ihrem Sohn zu.

Abbildung métier à tisser — Webstuhl
Aus dem Sachs-Villatte
Job steht hier also für "Auf­trag". Und einen solchen hat­te ich am Wochenende auf dem Tisch: Hereingeflattert kam ein grauenvoller Re­por­ta­ge­text und eine Film­fas­sung, die lieb­los run­ter­ge­kur­belt gewirkt hat, wie ir­gend­was zwischen Tou­ris­mus­bü­ro und Prak­ti­kan­ten­pro­dukt. Dafür war das ent­le­gen­e Reiseziel wirk­lich richtig spannend.

Rückblende: Vor etwas mehr als zwölf Monaten, das Jahr 2013 neigte sich deulich dem Ende zu, wird irgendwo bei einem ausländischen Sender noch Geld vorhanden gewesen sein. Kinners, das müssen wir noch schnell ausgeben, sonst ist es futsch!, oder etwas in der Preislage wird daraufhin gesagt worden sein. (Kameralistik gibt's nicht nur hierzulande.) Ende 2014 fiel ein solcher Satz dann in einer deut­schen Re­dak­tion. Die Vergabe an die Übersetzer, die Regisseure und die Sprecher ging ohne große Verhandlungen im Rekordtempo vonstatten.

Totale, Halbnahe, Detailaufnahme, Blende, Totale, Schwenk, Halbnahe, Schnitt, der Film folgt einem eintönigen Strickmuster, der Text scheint im Nachhinein und eher zufällig hinzugekommen zu sein. Wackelt irgendwo ein Übergang, wird ge­blen­det, fehlt jeglicher Zusammenhang, folgt eine Schwarzblende.

Wir nehmen das Material und ribbeln auf: Ich den Inhalt, der Regisseur die Form, dann wird neu gewoben: Der Synchronregisseur wird beim Neuweben die Wörter großzügiger auf die stummen Passagen verteilen und die eine oder andere Syn­chro­ni­zi­tät zwischen Bild und Text einbauen, die wir ja in Deutschland so sehr lieben.

Hier bedeutet übersetzen also, schnell den Inhalt wiederzugeben, Fakten zu über­prü­fen, Fundstellen zu verlinken und Vorschläge zu machen, was an welcher Stelle noch reinkönnte.

Zum Glück ist die Arbeit mit diesem Filmstoff nur ein "Job", schnelle Ausübung des Handwerks. Als Beruf möchte ich sowas nicht immer machen müssen. Mein Buch­sta­ben­han­del ist sonst anspruchsvoller. Trotzdem nehme ich gerne solche Jah­res­end­jobs an. Mal sehen, was die Woche noch bringen wird.

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Foto: C.E.

Sunday December 14, 2014

20:06 GruĂź vom Weihnachtsmarkt »Dolmetscher-Berlin
Hallo und will­kom­men auf dem 1. Weblog Deutsch­lands aus dem Inneren der Dol­met­scher­ka­bine. Hier berichte ich über meinen sprachbetonten Alltag. Sonntags werde ich privat.

Was sehe ich beim Wochenendbummel? Erst halte ich es fĂĽr bewusst falsch ge­schrie­ben, um Kundschaft anzulocken. (Ich gebe zu, auf eine solche Idee kann nur ein Spracharbeiter /eine Spracharbeiterin kommen.)  Die Wallnuss beschrieb ich hier bereits im Singular.


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Foto: C.E.
16:38 Schwarze Null, Russlandversteher, Terror-Tourismus: GfdS benennt Wörter des Jahres 2014 »uepo.de - Das Nachrichtenportal fĂĽr Ăśbersetzer
Die Gesellschaft fĂĽr deutsche Sprache (GfdS) hat soeben die Wörter des Jahres bekannt gegeben. Wie in den vergangenen Jahren wählte die Jury, die sich aus dem Hauptvorstand sowie den wissenschaftlichen Mitarbeitern der Gesellschaft zusammensetzt, aus diesmal rund 2.300 Belegen jene zehn Wörter und Wendungen, die den öffentlichen Diskurs des Jahres … Weiter lesen
13:29 This Weird Trick Will Solve All Of Your Problems »Patenttranslator's Blog
  I have a small, private museum in my house, with hundreds of exhibits in it arranged in this little museum on the shelves of six or seven bookcases standing guard around the walls in my office and also spilling out to bookcases in the hallway leading to the office. These exhibits are called dictionaries. […]

Saturday December 13, 2014

17:13 Koran-Ăśbersetzungen sind seit jeher ein Politikum – Vortrag an Uni Frankfurt »uepo.de - Das Nachrichtenportal fĂĽr Ăśbersetzer
Die Ăśbersetzung des Korans aus dem Arabischen in eine andere Sprache kann ein Politikum sein. Dies wird die Islamwissenschaftlerin Dr. Armina Omerika von der Goethe-Universität Frankfurt in einem Vortrag am 15.12.2014 am Beispiel der Ăśbertragungen des Korans ins Bosnische/Serbische/Kroatische näher beleuchten. Die Veranstaltung gehört zu der Vorlesungsreihe „Der Koran – … Weiter lesen