“Schieß auf einen Iraker”
Ein irakischer Künstler hat sich für sechs Wochen in einem Raum in Chicago eingeschlossen und stellt Internetbenutzer vor die Möglichkeit, mit einem Paintball-Gewehr auf sich schießen – um auf die Situation der Menschen im Irak aufmerksam zu machen:

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Bilal will mit seiner Kunstaktion die alltägliche Bedrohung der Menschen im Irak nach dem Einmarsch der Amerikaner aufmerksam machen und gleichzeitig einer Kunst den Weg ebnen, die den traditionell distanzierten Betrachter zum Beteiligten in einer Form macht, die man aus Computerspielen kennt. Das eingesperrte und überwachte Leben in einem “Container”, das Bilal einen Monat lang führt, hat allerdings nichts mit den bekannten Reality-TV-Programmen zu tun, sondern macht die Situation deutlich, die das Leben von vielen Irakern seit Jahren bestimmt. Aufgrund der Gefahr, die bei jedem Schritt droht, verlassen sie ihre Wohnungen und Häuser nur, wenn es wirklich notwendig ist. So würde nun auch seine Familie im Irak leben müssen, die keine Chance habe, das Land zu verlassen. Er will daher mit seiner Kunstaktion auch seiner Familie und den Menschen im Irak näher sein und sie unterstützen.
Eigentlich hatte Bilal vor, seine Installation “Schieß auf einen Iraker” (Shoot an Iraqi) zu nennen. Seiner Galeristin war dies aber doch zu direkt und zu politisch. Nun heißt sie verhaltener Domestic Tension und macht doch ebenso das Anliegen des Künstlers deutlich, dessen jüngerer Bruder 2005 in Nadschaf von einem amerikanischen Soldaten erschossen wurde. Kurz wurde auch sein Vater getötet. Bilals Medienprojekt mit hohem persönlichen Einsatz ist eine eminent politische Arbeit als Kritik des Irak-.Kriegs und dessen Folgen, gleichzeitig stellt es wichtige Fragen über das Verhältnis von Nähe und Ferne, von Wirklichkeit und Virtualität, und ist eine typische Form, wie in der von Medien bestimmten Aufmerksamkeitsökonomie die knappe Ressource Aufmerksamkeit gewonnen wird.
Bilal jedenfalls sagte am 13. Tag des auf sechs Wochen angelegten Kunstprojekts:
At this point, I look forward to when this gun is silent and when all the guns are silent.
(text von telepolis.de)

