Spanien: Unterbezahlter Dolmetscher in Madrid während Berufsausübung verhaftet
Am vergangenen ersten Mai hatte die ‘Policia Nacional’ am Flughafen Madrid einen Dolmetscher für Portugisisch angeordert um einreisenden Brasilianern zu erklären, dass ihre Papiere abgelaufen waren. Die zuständige Firma schickte zum Erstaunen der Beamten einen Pakistani um zwischen Portugisisch und Spanisch zu dolmetschen. Umsomehr waren die Beamten erstaunt, als sich herausstellte, dass der als Dolmetscher tätige sechs Vorstrafen hatte und überdies zur Fahndung ausgeschrieben war. Er wurde verhaftet. Tage später schickte dieselbe für polizeiliche Dolmetschungen zuständige, externe Firma für Übersetzungsarbeiten bei der Polizei einen Kurden, welcher noch mehr Vorstrafen hatte. Dies berichtet “20 Minutos”.
Bei der Firma handelt es sich um Seprotec, die bei der öffentlichen Ausschreibung des Innenministeriums den Zuschlag für Dolmetschservices für die ‘Policia Nacional’ erhalten hatte. Das Innenministerium hat nun eine Untersuchung eröffnet.
Der 1. Mai war der erste Tag, an dem Seprotec bei der Polizei für Dolmetscherdienste zuständig war. Der Vertrag habe eine Laufzeit von 14 Monaten und ein Volumen von 2.6 Millionen Euro. Seprotec ist auch in sensiblen Bereichen wie der Dolmetschung und Übersetzung eidesstatlicher Erklärungen oder Telephonmitschnitten tätig.
Kritik von Seiten der Gewerkschaft CC OO
Vorzuziehen wäre nach Ansicht der Gewerkschaft CC OO, wenn dieses Geld verwendet würde, um die Zahl der derzeit 300 intern beschäftigten Dolmetscher und Übersetzer zu erhöhen statt diese Dienste zu externalisieren. Dabei würde es sich dann auch um ausgebildete Spezialisten handeln und es würde auch nicht die Gefahr bestehen, dass bereits Vorbestrafte mit sensiblen Daten Umgang haben.
45 Euro für die Firma, 10 davon für die Angestellten
Die Firma Seprotec bezahlt den als Dolmetschern tätigen Mitarbeitern 10 Euro pro Stunde, während sie gleichzeitig dem Innenministerium für dieselbe Zeit zwischen 45 und 48 Euro in Rechnung stellt. Dies ist eine Gewinnspanne von mehr als 400% auf Kosten der Angestellten, der Qualität und all jener, die es als Ausländer mit der Polizei zu tun bekommen. Ausserdem wurde bekannt, dass die als Dolmetscher Angestellten jeweils innert maximal 60 Minuten am Einsatzort zu erscheinen haben. Ob sie für die Wartezeit “auf Abruf” Entschädigung erhalten, ist nicht bekannt.
Inzwischen beginnen sich daher auch die Mitarbeiter zu wehren.

